5 Fragen zur Ergotherapie bei MS – kurz beantwortet

von | 19. August 2019 | Erkrankung & Therapie

Tanja Dünser ist Ergotherapeutin am Reha-Zentrum Münster. Im Video-Interview gibt sie Einblicke in ihre berufliche Tätigkeit und wie ihre Arbeit Menschen mit MS im Alltag unterstützen kann.

Was ist die Aufgabe einer Ergotherapeutin?

Die Aufgabe eines Therapeuten ist es, die Patientinnen zu beraten, zu begleiten, zu unterstützen und auch zu behandeln. Wobei das Behandeln in der Ergotherapie eher zum Handeln wird. Es ist eine sehr aktive Therapieform, die sehr klientenzentriert, ressourcenorientiert und ganz stark an den Alltag der Patientinnen gebunden ist.

Wie können Sie MS-Patienten konkret unterstützen?

Das ist ein sehr individuelles Thema dem immer ein Erstgespräch mit dem Patienten vorausgeht, in dem wir ganz konkret schauen welche Anliegen der Patient hat. Was ist für den Patienten wichtig und sehr bedeutungsvoll für sein tägliches Leben? An Hand dessen schauen wir dann wie wir den Patienten unterstützen können. Das ist sehr unterschiedlich. Wenn wir jetzt die EDSS-Skala verwenden und jemand ist in Stufe zwei oder drei, wird er andere Bedürfnisse haben, als jemand, der in einer späteren Stufe – in sechs, sieben oder acht – ist.

Welche Bereiche umfasst die Ergotherapie?

Die Ergotherapie umfasst viele Bereiche: Körperpflege am Morgen, Duschen, Waschen, Ankleiden, Zähne putzen und geht über in den Alltag. Zum Beispiel in der Küche das Frühstück zu richten oder Mahlzeiten zuzubereiten, etwas einkaufen zu gehen oder auch Reinigungsarbeiten im Haushalt zu verrichten. Ein weiterer Bereich in der Ergotherapie ist das kognitive Training: Wenn jemand Schwierigkeiten hat sich Dinge zu merken oder Sachen oftmals verlegt kann man Strukturen erarbeiten, als Hilfestellung für den Betroffenen im Alltag.

Warum ist die Ergotherapie eine sinnvolle Ergänzung zur medikamentösen Therapie?

Die Ergotherapie ist auf jeden Fall eine sinnvolle Ergänzung zur medikamentösen Therapie, weil der Patient selber aktiv handeln kann. Das heißt, er kann seine Genesung aktiv beeinflussen. Er kann etwas tun. Er muss nicht nur dasitzen und es wird gesagt du musst diese und jene Medikamente nehmen, sondern man gibt ihm das Werkzeug an die Hand aktiv an der Genesung beizutragen.

Was ist Ihr persönliches Anliegen?

Mir ist es ganz wichtig, dass jeder der in ein Reha-Zentrum kommt weiß, dass er hier keine Therapiemethode übergestülpt bekommt, sondern eine Therapie, die wirklich sehr klientenzentriert, alltags- und handlungsorientiert und immer individuell abgestimmt ist. Man muss in der Reha nicht etwas machen was man nicht machen will, sondern es ist immer am Ziel des Patienten orientiert. Das heißt, das Ziel des Patienten steht im Vordergrund, wenn es realistisch und erreichbar ist.

AT/NEUR/0819/0058

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