Arbeitswelt im Wandel: Neue Chancen und Wege für Menschen mit MS

von | 25. Januar 2021 | Alltag & Beruf

Optimismus

Die Arbeitswelt kann eine besondere Herausforderung sein – gerade wenn man etwa durch MS unter Einschränkungen leidet. Umso wichtiger wäre es, Schritte zu setzen, die es leichter machen, im Arbeitsleben integriert zu bleiben. Die aktuelle Krisenzeit gibt Anstoß dazu, neue Wege einzuschlagen.

Frischer Wind

In unserer Gesellschaft steht Leistung oft an oberster Stelle und ein Termin jagt den anderen. Da bleibt in der Arbeitswelt häufig zu wenig Flexibilität, um auf individuelle Bedürfnisse einzugehen. Dabei wären viele Maßnahmen, die Menschen mit MS das Arbeitsleben erleichtern würden, gar nicht so schwer umzusetzen. Die gute Nachricht ist: Momentan ändert sich so einiges am Arbeitsmarkt. Denn durch die aktuelle Krisenzeit müssen ganz neue Lösungen gesucht werden. Stichwort Home-Office: Bisher in vielen Firmen ein Fremdwort, wurde es nun endlich salonfähig. 

An den richtigen Schrauben drehen

Dieses Umdenken könnte auch andere wichtige Änderungen in Gang setzen. Diese wären auch dringend nötig: Denn für die Gesellschaft gebe es noch viel zu tun, um das Arbeitsleben mit MS zu erleichtern, erzählte uns Karin Krainz-Kabas, Psychotherapeutin und Geschäftsführerin der „Multiple Sklerose Gesellschaft Wien“ im Interview. Viele Menschen mit MS sind bereits bei einem geringen Beeinträchtigungsgrad nicht berufstätig. Das liegt unter anderem daran, dass die Arbeitswelt oft zu wenig flexibel ist und ihnen die nötige Unterstützung fehlt. Dabei könnten schon relativ einfache Schritte helfen, damit mehr Menschen trotz Beeinträchtigung einer Arbeit nachgehen können: etwa flexible Arbeitszeitmodelle oder ein barrierefreier Arbeitsplatz.

Weniger ist oft mehr

Besonders bei der Arbeit ist für viele Menschen mit MS die chronische Tagesmüdigkeit eine Belastung. Es ist wichtig, dass man die Möglichkeit hat, ruhiger zu treten, falls sie einen übermannt. Das muss aber nicht gleich heißen, dass man generell nicht mehr in der Lage ist, zu arbeiten, weiß Frau Krainz-Kabas. Stattdessen kommt es stark drauf an, wie flexibel ArbeitgeberInnen etwa bezüglich Arbeitszeiten sind. Wenn es möglich ist, zwischendurch mehr Pausen zu machen, können viele Menschen mit MS weiterhin ihre Arbeit gut meistern.

Manchmal ist auch eine Vollzeitanstellung durch die Belastungen nicht mehr möglich. Bekommt man dann die Möglichkeit, Arbeitsstunden zu reduzieren, kann man oft noch weit länger erwerbstätig bleiben. Worauf Sie achten sollten, wenn Sie Stunden reduzieren möchten, erfahren Sie im Artikel „Arbeitspensum auf dem Prüfstand“. „Es ist eben wichtig, dass man auch in den Arbeitsprozess integriert ist, wenn man keine 100% schafft.”, bringt es Frau Krainz-Kabas auf den Punkt. Ihr Wunsch wäre, dass es auch möglich wird, mit einer Teilzeitanstellung gut zu leben.

Die Krise als Chance

Die Krise hat gezeigt, dass größere Änderungen am Arbeitsmarkt selbst in kurzer Zeit möglich sind: Viele Unternehmen, die erst aus Not auf Home-Office umgestiegen sind, haben gemerkt, dass es gut funktioniert, die MitarbeiterInnen bei Bedarf zu Hause arbeiten zu lassen. Das könnte auch dabei helfen, dass mehr Menschen mit chronischen Erkrankungen eine Beschäftigung finden, meint Frau Krainz-Kabas. Gerade für viele Menschen mit MS hat Home-Office nämlich einige Vorteile: Man erspart sich den Stress am Arbeitsweg, das volle Büro zehrt nicht an den Nerven und man kann sich seinen Arbeitsplatz zu Hause genau so einrichten, wie man ihn benötigt.

Awareness als erster Schritt

Damit sich etwas ändern kann, gibt es laut Frau Krainz-Kabas eine wichtige Voraussetzung: ArbeitgeberInnen und EntscheidungsträgerInnen müssen wissen, dass der Arbeitsalltag auch mit MS funktionieren kann. Umso wichtiger ist es, dafür Awareness zu schaffen. „Es sollte etwas ganz Selbstverständliches sein, dass auch Menschen mit chronischen Erkrankungen beschäftigt werden können”, so Krainz-Kabas. Wichtig sei es dabei, dass ArbeitgeberInnen erfahren, wie man die Kompetenzen von Menschen mit chronischen Erkrankungen konkret so gut wie möglich nutzen kann. Der Austausch ist also essenziell.

Quellen:

https://www.msges.at/2018/11/vereinbarkeit-von-ms-und-beruf/

https://www.stark-mit-ms.at/im-gespraech-mit-karin-krainz-kabas-teil-2/

https://www.stark-mit-ms.at/arbeitspensum-auf-dem-pruefstand/

M-AT-00000945 | Titelbild: © Marina Andrejchenko/Adobe Stock

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