Die Geschichte der Multiplen Sklerose – Teil 2

von | 27. Januar 2020 | Erkrankung & Therapie

Die (offizielle) Geschichte der Multiplen Sklerose erstreckt sich bis ins 14. Jahrhundert. In Teil 1 zum Thema Geschichte der MS haben wir berichtet, wie die MS von ersten Andeutungen, Vermutungen und Geschichten schließlich zu einer eigenständig anerkannten Krankheit geworden ist. Doch wie ging es danach weiter?

1878: Entdeckung der Rolle des Myelins 

Die Anerkennung der MS als eigenständige Krankheit im Jahr 1868 setzte den Grundstein für die weitere Forschung an der MS. Der nächste Schritt in der Entwicklung der MS-Geschichte erfolgte 1878 mit der Forschung an der Bedeutung des Myelins. So fand Louis-Antoine Ranvier, 24 Jahre nachdem Myelin erstmals von Rudolf Virchow beschrieben wurde, heraus, dass Myelin die Nervenfasern spiralförmig umgibt und so als Schutzschicht dieser fungiert. 

1913: Die erste zuverlässige MS Diagnose gelingt

Mit der ersten zuverlässigen Diagnose der MS in der Geschichte der Krankheit erfolgt ein weiterer Meilenstein in der MS-Entwicklung. Die Diagnose gelang mit der sogenannten Lumbalpunktion, bei der Nervenwasser entnommen und auf eine Häufung von MS typischen Antikörpern untersucht wird. Auch heute noch ist die Lumbalpunktion ein fester Bestandteil der MS-Diagnostik. 

1933: Tiermodell EAE beweist: MS ist Autoimmunerkrankung 

Mit dem sogenannten Tiermodell EAE stellte Thomas Rivers fest, dass MS eine Autoimmunerkrankung ist, also eine Krankheit bei dem sich das Abwehrsystem gegen den eigenen Körper richtet. Nachdem er Mäusen Zellen injizierte, die gegen körpereigenes Myelin sensibilisiert wurden, trat bei diesen eine MS-ähnliche Erkrankung auf. 

1944: Demyelinisierung: Ein weiteres MS-Rätsel wird gelöst

Der Harvard Professor Derek Denny-Brown erkannte 1944, dass beschädigte Nervenfasern den elektrischen Impuls nicht mehr an den entsprechenden Muskel weiterleiten und es so zu den neurologischen Ausfällen der MS kommt. Der daraus resultierende Rückschluss: Die sogenannte Demyelinisierung eines Nervs ist für die Blockaden bei der Weiterleitung der Nervenimpulse verantwortlich. 

50/60er Jahre: Große Entwicklungen von Diagnose und Therapie  

In den Jahren 1954/55 wurden erste diagnostische Kriterien für die MS definiert. Darüber hinaus kam ca. 1960 erstmals Kortison für die Behandlung von MS-Schüben zum Einsatz. In diesem Rahmen wurde 1969 die erste sorgfältig kontrollierte klinische Studie über eine erfolgreiche Therapie der MS abgeschlossen. Dabei wurden Patienten mit intramuskulärem ACTH (adreno-corticotropes Hormon) behandelt, das die Kortison-Produktion in der Nebennierenrinde anregt. Die Ergebnisse zeigten bei der Behandlung von akuten MS-Schüben Erfolge und so ist Kortison bis heute Teil der Therapie von akuten MS-Schüben.

1978: Einführung des CTs in MS-Diagnostik

Die Einführung des CTs stellt einen weiteren wichtigen Schritt in der MS-Diagnostik dar. Durch das Verfahren der Computertomographie konnten die Läsionen der MS-Patienten sichtbar gemacht werden.

1981: Revolution in der MS-Diagnostik durch das MRT

Noch besser als die Computertomographie funktioniert das MRT für die Diagnostik von MS. Die MRT-Bilder sind deutlich genauer und lassen bereits kleine Entzündungen und Vernarbungen erkennen eine Revolution in der MS-Diagnostik. So wird nicht nur der gesamte Diagnoseprozess beschleunigt, sondern auch ein früherer Therapiebeginn ermöglicht. Dieser kann sich positiv auf den Verlauf der MS auswirken. 

1990er Jahre: Große Fortschritte in der Therapie 

Große Fortschritte in der Therapie von MS erfolgten in den 90er Jahren. So wurden zahlreiche neue Präparate für die Behandlung zugelassen darunter Interferon-beta. Die Interferone haben einen direkten Einfluss auf den Verlauf der MS: Sie senken die Schubrate und zögern das Fortschreiten der Krankheit hinaus. In den folgenden Jahren wurde die Behandlung mit beta-Interferonen weiterentwickelt und verbessert. 

2001: Einführung der McDonald-Kriterien

Zur Diagnose des MS entwickelte eine Expertengruppe um Ian McDonald ein neues Schema, welches 2001 veröffentlicht wurde. Das Diagnoseschema ist unter dem Namen McDonald-Kriterien bekannt. Es erhöht die Zuverlässigkeit der MS-Diagnose, indem es sich auf den Nachweis einer räumlichen und zeitlichen Ausbreitung nach klinischen und MRT-Befunden stützt. Zudem ermöglicht das Schema einen früheren Therapiebeginn, da es bereits nach dem ersten klinischen Schub eine Diagnose zulässt. 

Die McDonald-Kriterien erfuhren, angepasst an neue Erkenntnisse und den Trend der frühen Diagnostik, im Jahr 2005, 2010 und zuletzt im Jahr 2017 Revisionen. 

Heute und in Zukunft

Inzwischen gibt es zahlreiche Therapieformen für die Behandlung von MS. Dennoch arbeiten Forscher weiter an neuen Therapieformen, um Betroffenen mehr Lebensqualität, Freiheit und Selbstbestimmung zu ermöglichen.

 

Quellen: 

http://www.slcmsr.net/de/ms/geschichte.html

https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-infos/geschichte-der-ms/jahreszahlen/

http://ms-gesellschaft.at/news/die-geschichte-der-multiplen-sklerose/

 https://www.dmsg.de/dokumentearchiv/ebook_triasdmsg_neues_impressum.pdf

https://oegpb.at/2018/04/04/revision-der-ms-diagnosekriterien/

AT/NEUR/0220/0005 | Titelbild: © Ping198/Adobe Stock

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