Gemeinsam sind wir stark: Wie Angehörige bei MS helfen können

von | 14. Dezember 2020 | Partnerschaft & Familie

Angehörige unterstützen

Multiple Sklerose betrifft nicht nur die Person, die die Diagnose bekommen hat. Auch Angehörige wie Familie und FreundInnen müssen lernen, mit der neuen Situation umzugehen. Wir geben Ratschläge dazu, auf welche Weise das gelingen kann und wie Angehörige eine bestmögliche Stütze bieten.

1. Wissen hilft, den Schrecken zu nehmen

Als Angehörige/r kann es für den Umgang mit der MS hilfreich sein, sich genau über die Krankheit zu informieren und eventuell auch mit anderen MS-Betroffenen, etwa in Selbsthilfegruppen, auszutauschen. Besonders Geschichten von Personen mit MS, die gelernt haben, trotz Krankheit gut ihren Alltag zu bewältigen, können dabei helfen, Ängste zu nehmen. Auch tragen sie eventuell dazu bei, Lösungsideen für bestimmte Probleme, die im Zusammenhang mit der Krankheit auftreten, zu finden.

2. Schweigen ist Silber, Reden ist Gold

Um gemeinsam einen guten Weg mit der MS zu finden, ist es ungemein wichtig, offene Gespräche zu führen, denn es gibt kein Patentrezept für den richtigen Umgang. Was für den einen hilfreich ist, kann für den anderen unerwünscht sein und je nach Situation ändern sich die Bedürfnisse. Die Person mit MS weiß immer am besten selbst über die eigene aktuelle Situation Bescheid und daher ist es essentiell, gemeinsam an Lösungsstrategien zu arbeiten. „Das Wichtigste ist, in Kontakt zu bleiben. Über Gefühle, Ängste und Sorgen sowie über Grenzen (…) offen zu sprechen und sich auch Unterstützung zu holen, wenn Sie das Gefühl haben, nicht weiter zu wissen.“, brachte es Ramona Rosenthal, Leiterin eines MS-Tageszentrums, in unserem Interview auf den Punkt.

3. Täglich neu justieren

Angehörige sollten sich darauf einstellen, dass sich die MS nicht immer gleich auswirkt: Von Zeit zu Zeit gibt es intensivere Phasen, etwa wenn sich ein Schub anbahnt oder sich eine Beeinträchtigung bemerkbar macht. Gerade dann ist es eine besondere Stütze, nahestehende Menschen um sich zu haben, die Verständnis zeigen. Auch hier hilft das Gespräch und das Wissen, dass auch wieder andere Phasen kommen: Es folgt oft eine Zeit der Anpassung, die wieder zu einer ruhigeren Periode führen kann – Zeit zum Aufatmen.

4. Eine helfende Hand reichen

Insbesondere in Zeiten, in denen die MS mehr Raum und Aufmerksamkeit einfordert, könne es nötig sein, die Rollen im Alltag neu zu verteilen, erklärt Ramona Rosenthal. Tipps dazu, wie das am besten gelingen kann, lesen Sie in unserem Artikel zum Thema Alltag. Genau in diesen Zeiten kann es auch besonders helfen, wenn Angehörige ihre Unterstützung anbieten. Dabei ist es wichtig, feinfühlig vorzugehen und die Wünsche der Person mit MS genau zu beachten. Auch darf man es nicht persönlich nehmen, falls diese das Hilfsangebot nicht in Anspruch nehmen möchte, denn das kann beispielsweise einfach bedeuten, dass sie sich noch mehr Eigenständigkeit bewahren möchte.

5. Gemeinsam sind wir stark

Das wertvollste Gefühl, das man als Angehörige/r der Person mit MS geben kann, ist die Sicherheit, dass man für ihn oder sie da ist – egal was kommt. Viele MS-Betroffene leiden nämlich unter der Sorge, dass sich ihre nahestehenden Menschen in belastenden Zeiten von ihnen abwenden und sie die Krankheit ganz allein schultern müssen. Die Bestätigung, dass man sich auf den anderen verlassen kann, nimmt Ängste und lässt einen viel positiver in die Zukunft blicken – denn gemeinsam fühlt man sich immer stärker.

6. Hilfe annehmen

Auf der Suche nach Informationen oder Unterstützung sind unter anderem die Österreichische MS Gesellschaft, CS Caritas Socialis MS Tageszentrum, Familienberatungsstellen, Lebens- und SozialberaterInnen oder PsychologInnen und PsychotherapeutInnen gute Anlaufstellen. Das Rote Kreuz bietet auch insbesondere für pflegende Angehörige ein umfangreiches Kurs- und Veranstaltungsangebot. In unserem Artikel haben wir genau zusammengefasst, was Sie dort erwartet. Falls Sie wichtige Fragen plagen, können Sie sich auch bei der kostenlosen telefonischen Hotline der MS Gesellschaft Wien beraten lassen.

Auch wenn man sich als Angehörige/r manchmal etwas hilflos fühlt, wenn nahestehende Personen unter MS-Symptomen leiden – am meisten Kraft geben uns meist jene Menschen, die uns wichtig sind. Daher können Angehörige einen großen Einfluss darauf haben, das Leben mit ihren Lieben auch mit MS möglichst schön zu gestalten.

Quellen:

https://www.oemsg.at/ 

https://www.oemsg.at/multiple-sklerose/adressen-links-multiple-sklerose/ms-selbsthilfegruppen-in-oesterreich/ 

https://www.cs.at/angebote/cs-multiple-sklerose-betreuung/tageszentrum 

https://www.familienberatung.gv.at/beratungsstellen/

https://www.psychologen.at/psychologinnen

https://www.psychotherapie.at/patientinnen/psychotherapeutinnen-suche

https://www.lebensberatung.at/

https://www.roteskreuz.at/wien/kurse-aus-weiterbildung/pflegende-angehoerige-und-interessierte/

https://www.msges.at/2017/10/ms-telefon/#:~:text=Die%20Multiple%20Sklerose%20Gesellschaft%20Wien,Hotline%200800%20311%20340%20 

https://www.stark-mit-ms.at/aus-liebe-zu-meinem-kind-ueber-ms-reden/

https://www.stark-mit-ms.at/den-familienalltag-gemeinsam-meistern/

https://www.stark-mit-ms.at/kurse-fuer-pflegende-angehoerige/

M-AT-00000869 | Titelbild: © zinkevych/Adobe Stock

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