Hidden MS: Depression

von | 8. Februar 2021 | Erkrankung & Therapie

Blasenstörungen

Chronische Erkrankungen wie die Multiple Sklerose sind oft nicht nur körperlich herausfordernd, sondern belasten auch häufig die Psyche. Ein Symptom, unter dem viele Betroffene leiden, ist die Depression. Doch wie erkennt man eine Depression und wie geht man damit um?

Zum Leben gehören neben Höhen auch Tiefen. Auch traurige Phasen sind von Zeit zu Zeit normal – solange sie nicht gewisse Grenzen überschreiten. Vielen fällt es jedoch schwer, diesen schmalen Grat zu erkennen: Bis wohin sind die Beschwerden nur Zeichen einer traurigen Verstimmung und ab wann deuten sie auf eine Depression hin? Diese ist nämlich weit mehr als nur eine normale Phase der Traurigkeit. Die Depression ist eine psychische Erkrankung, die behandelt werden muss.

Das Problem ist: Viele wissen gar nicht, dass sie unter einer Depression leiden. Oft fehlt auch die Hoffnung, dass einem geholfen werden kann und so leiden viele still. Die Depression zählt daher auch zu den sogenannten „Hidden MS”-Symptomen, die häufig von außen unsichtbar bleiben. Aber nur wenn man darüber spricht, kann man mit der nötigen Unterstützung den Weg aus dem schwarzen Tief finden. Während man eine normale traurige Phase in der Regel selbst überwinden kann, sollte man sich bei einer Depression unbedingt ärztliche Hilfe holen. Denn eins ist wichtig zu wissen: Nicht nur die Psyche kann Auslöser für eine Depression sein, sondern oft spielen auch körperliche Ursachen eine Rolle, wie zum Beispiel Störungen im Hormonsystem. Diese müssen erst therapiert werden, damit Besserung eintreten kann. Behandelt wird eine Depression meist durch Psychotherapie und eventuell eine ergänzende medikamentöse Behandlung.

Warum sollte man mit MS besonders auf die psychische Gesundheit achten?

Die Wahrscheinlichkeit, an einer Depression zu erkranken, ist bei Menschen mit Multipler Sklerose deutlich erhöht. Etwa die Hälfte der MS-Betroffenen leiden im Laufe des Lebens irgendwann daran.

Das liegt zum einen an dem hohen psychischen Druck, unter dem viele Menschen mit einer chronischen Erkrankung stehen. Oft führen Sorgen dazu, dass man sich in negativen Gedankenspiralen gefangen fühlt. Der emotionale Stress versetzt den Körper in einen Alarmzustand. Wenn dieser zu lange andauert, kann das Depressionen auslösen, erklärte uns die klinische Psychologin und Psychotherapeutin Dr. Natasha Tesar-Pelz. Techniken, die helfen können, aus diesem Alarmmodus zu finden, gibt’s in unserem Artikel „Psychische Gesundheit und MS”.

Zum anderen können auch körperliche Folgen der MS, wie etwa Veränderungen im Gehirn, Auslöser sein. So kann eine Depression zum Beispiel entstehen, wenn Myelinscheiden beschädigt sind. Diese bilden eine wichtige isolierende Schutzschicht um Nervenzellen. Im Laufe der MS-Erkrankung können sie beschädigt werden und dann funktioniert die Kommunikation zwischen Nervenzellen nicht mehr so, wie sie sollte.

Achten Sie auf Warnzeichen

Um eine Depression richtig zu erkennen, ist es wichtig, über die Anzeichen Bescheid zu wissen. Betroffene leiden typischerweise unter folgenden Beschwerden:

  • Traurigkeit
  • Ermüdbarkeit, Interessensverlust und verminderter Antrieb 
  • verminderte Konzentration 
  • vermindertes Selbstwertgefühl und sozialer Rückzug

Auch der Körper reagiert oft auf Depressionen – etwa mit Schlafstörungen, Appetitlosigkeit sowie Bauch- und Kopfschmerzen. Häufig verlieren depressive Menschen auch das Interesse am Leben, was mitunter auch zu Suizid-Gedanken führen kann. Umso wichtiger ist es, sich frühzeitig Hilfe zu holen.

Bemerkt man, dass diese Symptome besonders stark oder bereits mehrere Wochen lang auftreten, sollte man das also dringend bei dem behandelnden Arzt oder der Ärztin ansprechen oder sich psychotherapeutisch unterstützen lassen.

Wie kann Psychotherapie helfen?

Da psychische Erkrankungen oft ein Tabuthema sind, scheuen viele davor zurück, Hilfe anzunehmen. Wenn man sich das Bein bricht, geht man selbstverständlich zum Arzt, aber bei psychischen Krankheiten denken viele, dass sie alleine damit zurechtkommen müssen. Eine ärztliche Behandlung ist bei einer Depression aber ebenso notwendig wie bei einem gebrochenen Bein und man sollte daher keine Scheu davor haben.

Bei der Psychotherapie stehen meist Gespräche im Mittelpunkt. Ziel ist es, wieder ein psychisches Gleichgewicht herzustellen. Negative Gedankenmuster über die MS sollen durchbrochen und durch positive Bewältigungsstrategien ersetzt werden. So kann die Therapie helfen, besser mit der MS zurechtzukommen und bei der Bewältigung von Ängsten unterstützen.

Erste Hilfe für die Psyche

Eine frühe Erkennung und Behandlung einer Depression ist von großer Bedeutung. Auch wenn man zum ersten Mal von einer Depression betroffen ist, sollte man nicht untätig bleiben. Denn gerade die frühe Behandlung kann helfen, weitere depressive Episoden zu verhindern. Meist tritt eine Depression nämlich nicht nur ein Mal auf, sondern in wiederkehrenden Episoden. Mit jeder Episode steigt das Risiko, dass eine weitere folgt. Doch die richtige Behandlung kann dieses deutlich senken.

Was Angehörige tun können

Auch Angehörige können einen wichtigen Beitrag leisten: indem sie möglichst aufmerksam darauf achten, ob Symptome einer Depression auftreten. Falls ja, sollte man das möglichst sensibel ansprechen und bei der Suche nach einer passenden Therapie unterstützen. Oft nehmen nahestehende Personen auch als Erstes Warnsignale wahr, die auf eine Suizidgefahr hindeuten. Dann heißt es schnell handeln – denn das kann Leben retten! Spezielle Informationen dazu finden Sie auf dem Suizidpräventionsportal.

Nutzen Sie Hilfsangebote

Falls Sie den Verdacht haben, an einer Depression zu leiden, holen Sie sich unbedingt ärztliche Hilfe. Wenn Sie unsicher sind, wohin Sie sich am besten wenden sollen oder spezielle Fragen haben, können Sie sich bei den MS-Landesgesellschaften beraten lassen. Einige bieten auch spezielle psychosoziale Beratungsgespräche und Psychotherapie an, beispielsweise die MS-Gesellschaft Wien.

 

Quellen:

ÖMSB (Österreichische Multiple Sklerose Bibliothek), 4. Auflage

https://www.aktiv-mit-ms.ch/ms-leben/ms-und-psyche/detail/artikel/holen-sie-sich-bei-depressionen-kompetente-hilfe/

https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/stoerungen-erkrankungen/depressionen/therapiekonzept-behandlungsphasen/

https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/psyche/depression/diagnose

https://www.gesundheit.gv.at/leben/suizidpraevention/inhalt

https://www.oemsg.at/landesgesellschaften/

https://www.msges.at/multiple-sklerose/symptome/depression/

https://www.stark-mit-ms.at/glossary/depressionen/

https://www.stark-mit-ms.at/welt-ms-tag-2019-hidden-ms-im-fokus/

https://www.stark-mit-ms.at/psychische-gesundheit-und-ms/

https://www.stark-mit-ms.at/mental-fit-mit-ms-so-steigern-sie-ihre-leistungsfaehigkeit/

https://www.stark-mit-ms.at/welt-ms-tag-2020-videos/

https://www.stark-mit-ms.at/glossary/myelinscheiden

M-AT-00000968 | Titelbild: © fizkes/Adobe Stock

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