Hidden MS: Fatigue

von | 9. November 2020 | Erkrankung & Therapie

Optimismus

Die sogenannte „Fatigue“ beschreibt Symptome, die verschiedene chronische Erkrankungen – wie häufig auch die Multiple Sklerose – begleiten und zusammengefasst eine starke Erschöpfung beschreiben. Doch wieso entsteht die Fatigue überhaupt und was kann man dagegen unternehmen?

Hidden MS: Die Fatigue, eine ermüdende Begleiterscheinung

Fatigue kommt aus dem Französischen und bedeutet so viel wie „Müdigkeit“ oder „Erschöpfung“. Symptome, die Menschen mit chronischen Erkrankungen nicht selten durchleben. Insbesondere Betroffene von MS klagen häufig über die Fatigue in ihren unterschiedlichsten Ausformungen.

„Die Fatigue selber ist eine Befindlichkeit, die man mit einer allgemeinen Bremsung des Patienten vergleichen kann. Er hat das Gefühl, er kann sich nicht motivieren, es ist alles unglaublich schwer umzusetzen und langsam”, fasst etwa Dr. Christian Bsteh, Facharzt für Neurologie im Multiple Sklerose Zentrum Salzburg, die Begleiterscheinung zusammen. Ermüdung und Antriebslosigkeit können Betroffene im Alltag schwer einschränken und zu einer enormen psychischen Belastung werden. Ebenso wie andere „unsichtbare“ Beschwerdebilder der Multiplen Sklerose reiht sich auch die Fatigue in die Kategorie der „Hidden MS“-Symptome. Die Fatigue kann sich bei Betroffenen auf ganz unterschiedliche Weise äußern und verschiedene Ursachen haben. So unterscheidet man in der Medizin zwischen zwei Formen:

– Die „primäre Fatigue“: Eine direkte Folge der Schädigung des zentralen Nervensystems durch die MS.
– Die „sekundäre Fatigue“: Eine Folge von Faktoren, die nicht in einen direkten Zusammenhang mit einer MS-Erkrankung an sich gebracht werden, aber mit Begleiterscheinungen der MS zusammenhängen können (z.B. Schlafstörungen, Depressionen, Stress, Medikamente, etc.).

Wie kann gegen die Fatigue vorgegangen werden?

Eine so komplexe Begleiterscheinung wie die Fatigue benötigt in vielen Fällen eine multidisziplinäre Herangehensweise. Je nach Ausprägung und Art der Fatigue gibt es hierfür verschiedene Behandlungsansätze. Während bei primärer Fatigue unter anderem mit einer medikamentösen Therapie gegengesteuert werden kann, werden bei der sekundären Fatigue die Ursachen für die chronische Ermüdung und Antriebslosigkeit unter die Lupe genommen. In beiden Fällen raten ExpertInnen aber zur Therapieform „Bewegung”.

Bewegung und gezielte Ruhepausen gegen die chronische Erschöpfung

Körperliche Aktivität ist eine Wohltat für Körper und Seele. Außerdem kann sie bei einigen Symptomen der MS Abhilfe schaffen – so auch bei Fatigue. „Es ist bewiesen, dass gezielte Bewegungsübungen und regelmäßige Übungen einen positiven Einfluss auf die Fatigue haben”, erklärt die Ergotherapeutin Tanja Dünser, Bsc. im Interview. Auch Studien legen mittlerweile nahe, dass Bewegungstherapien eine vielversprechende, nebenwirkungsfreie Behandlung zur Verringerung der Fatigue darstellen könnten. Wie man es schafft, sich leichter zur körperlichen Betätigung zu motivieren und welche weiteren positiven Effekte die Bewegung auf die Symptome der MS hat, erfahren Sie hier.

Neben Bewegung, sei es außerdem bedeutsam, auf die tägliche Routine zu achten und zu versuchen, sich selbst nicht zu sehr unter Druck zu setzen. „Wichtig ist es, dass der Patient sich seinen Alltag einteilt. Das heißt, dass er immer wieder Ruhephasen wirklich gezielt setzt”, erklärt die MS-Schwester Silvia Katzmayr im Interview und meint weiters: „Der Patient berichtet mir oft: Er bringt zu wenig Leistung. Damit setzt er sich noch mehr unter Druck. Ich gebe immer mit auf den Weg: Einfach zu schauen, wann brauche ich Erholung und das auch wirklich für sich selbst einzufordern. Ein ganz wichtiges Thema ist, auf sich selbst zu achten!”. Neben körperlicher Aktivität und einem routinierten Tagesplan sollte man folglich auch die psychische Gesundheit im Auge behalten und sich in Achtsamkeit und dem Wahrnehmen der körpereigenen Signale üben.

Fatigue und Depressionen: Ein Teufelskreis

Nicht selten gehen laut ExpertInnen Depressionen und Fatigue Hand in Hand. Deshalb ist es enorm wichtig, die Psyche immer gut im Auge zu behalten und mit den ÄrztInnen des Vertrauens über Probleme zu sprechen. Das sieht auch Dr. Doris Hauer, Fachärztin für Neurologie, so: „Oft ist sie (Anm.: die Fatigue) leider auch mit einer Depression verflochten und hierzu müsste man eine andere Therapie vornehmen. Aber das wird der behandelnde Arzt oder die Ärztin mit dem Betroffenen herausarbeiten. Es gilt, die Frage zu klären, was hier im Vordergrund steht und je nachdem einen medikamentösen Versuch zu starten”.

Fazit: Bewegungstherapien, der konstante Wechsel zwischen körperlicher Aktivität und bewussten Ruhephasen sowie aktive Stressreduktion und Entspannung können die Symptome der Fatigue verringern. In Zusammenarbeit mit den HausärztInnen, NeurologInnen, PhysiotherapeutInnen, PsychotherapeutInnen und/oder anderen ExpertInnen können Sie individuelle und auf Ihre Beschwerden abgestimmte Behandlungsmethoden erarbeiten, um aktiv gegen chronische Erschöpfung vorzugehen.

Quellen: 

https://www.stark-mit-ms.at/welche-tipps-haben-sie-zum-umgang-mit-fatigue/

https://www.stark-mit-ms.at/wichtig-bei-fatigue-und-ms-auf-sich-selbst-achten/

https://www.stark-mit-ms.at/bewegung-und-ms-so-gelingt-die-selbstmotivation/

https://www.stark-mit-ms.at/wie-kann-ergotherapie-bei-begleiterscheinungen-der-multiplen-sklerose-wie-fatigue-helfen/

https://www.stark-mit-ms.at/welt-ms-tag-2019-hidden-ms-im-fokus/

https://www.stark-mit-ms.at/glossary/fatigue/ 

https://www.cochrane.org/de/CD009956/MS_bewegungstherapie-gegen-fatigue-bei-multipler-sklerose

https://www.multiplesklerose.ch/PDF/de/Infoblaetter/03_Psychische_Aspekte/MS-Info_Fatigue.pdf

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