Familienplanung und Schwangerschaft: Kaum ein Themenkreis wirft so viele Fragen auf. Dass Unsicherheiten und Ängste nicht notwendig sind, eine Familie aber wohl überlegt gegründet werden soll, berichten Dr. Christian Bsteh und Dr. Doris Hauer.

Wenn man bedenkt, dass eine Multiple Sklerose (MS) typischerweise Menschen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren betrifft und Frauen dreimal so häufig betroffen sind wie Männer, dann wird schnell klar, warum die Familienplanung für MS-Patientinnen und Patienten ein so zentrales Thema ist. 

Schwangerschaft und Geburt sind in Bezug auf die MS kein Problem!

„Es existieren hier unglaublich viel Unsicherheit und völlig unberechtigte Ängste”, informiert Dr. Christian Bsteh, Facharzt für Neurologie am Multiple Sklerose Zentrum Salzburg. „In Bezug auf Fertilität – also überhaupt die Fruchtbarkeit – gibt es durch die MS absolut keine Beeinträchtigungen. Auch die Schwangerschaft und der Geburtsvorgang selber ist in Bezug auf die MS kein Problem”, betont der erfahrene Neurologe. 

Schon bei der Diagnosestellung einen möglichen Kinderwunsch ansprechen!

Dürfen wir Kinder haben? Ist das verantwortbar? Gibt es Probleme, wenn die Schwangerschaft eingetreten ist? Diese Fragen kommen bei der Diagnosestellung einer chronischen Erkrankung wie MS bei Paaren mit einem bereits bestehenden Kinderwunsch meist auf. Deswegen ist es wichtig in den ersten Gesprächen ausführlich darauf einzugehen. In den allermeisten Fällen rät man dem Kinderwunsch, wenn er schon aktuell besteht, nachzugeben”, berichtet Dr. Bsteh.

Bei bestehender MS kann eine Therapieumstellung vor einer Schwangerschaft notwendig werden!

Wenn die Erkrankung schon länger besteht, Therapien vorhanden sind oder die Überlegung ist, Therapien aufgrund des Krankheitsverlaufes zu wechseln, dann kann es natürlich sein, dass man dazu rät, den Kinderwunsch noch eine gewisse Zeit aufzuschieben, um gezielt Therapien wechseln zu können”, klärt Dr. Bsteh auf. 

„Je nachdem, welche Intervalltherapie der Patient laufend hat, kann man empfehlen diese Medikation vorhin abzusetzen”, konkretisiert Dr. Hauer. Der Grund: Manche der aktuellen Medikamente sind nicht gut mit einem Kinderwunsch vereinbar. „Sollte das ein Thema sein und eine Planung ins Haus stehen, empfehle ich das schon auch mit dem betreuenden Arzt noch einmal zu klären”, rät die Neurologin. 

„Denn es gibt auch die altbekannten Medikamente, die man mittlerweile schon bis zum Eintritt der Schwangerschaft empfehlen kann und bei den neueren gilt es dies genauer zu besprechen. Je nach Dringlichkeit und Aktivität auch vor dem Kinderwunsch, wird man dann entschließen, wie lange und welches Medikament optimal während dieser Lebensphase ist,” erklärt Dr. Hauer.

In der Schwangerschaft verändert sich das Immunsystem und bietet einen Schutz!

Was auch nicht selten vorkommt ist, dass man nach einer gewissen Zeit sagt: Jetzt stoppt man die Therapie, man macht sozusagen eine Pause, um dem Kinderwunsch nachzukommen”, informiert Dr. Bsteh.

Denn während einer Schwangerschaft ist die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Schüben und eine Aktivität der Krankheit äußerst gering. Den Grund erklärt Dr. Bsteh: Während der Schwangerschaft verändert sich das Immunsystem natürlicher Weise und bietet einen nachweisbaren Schutz. Keine Garantie natürlich! Aber die Wahrscheinlichkeiten für Schübe oder Krankheitsverschlechterungen während der Schwangerschaft ist geringer.” 

AT/NEUR/0719/0051

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