Mental fit mit MS: So steigern Sie Ihre kognitive Leistungsfähigkeit

von | 20. April 2020 | Alltag & Beruf

Multiple Sklerose geht nicht selten mit Einschränkungen in der kognitiven Leistungsfähigkeit einher. Doch unsere Hirnleistung lässt sich steigern –  mithilfe von bewusster Entspannung und regelmäßigem Training.

Am 30. Mai ist Welt-MS-Tag. Seit 2009 wird jedes Jahr an diesem Tag auf die Bedürfnisse von Betroffenen von MS aufmerksam gemacht und aufgezeigt, wie die Erkrankung das Leben beeinflusst. Das Motto des diesjährigen Welt-MS-Tag „I connect, we connect” dreht sich um den Aufbau von „Verbindungen“ aller Art: Von MS-Communities über Verbindungen zu hochwertiger Versorgung und Pflege bis hin zur Verbindung mit sich selbst. Letztere ist bei MS ein großes Thema. Zwischen 40% und 60% aller Betroffenen haben im Laufe ihres Lebens mit kognitiven Einschränkungen zu kämpfen, die zu einer enormen psychischen Belastung werden können.

Kognitive Beeinträchtigungen und MS

Die Symptomatik von MS variiert von Mensch zu Mensch. So verhält es sich auch mit Beeinträchtigungen im kognitiven Bereich. Trotzdem: Viele Betroffene haben hier im Laufe ihres Lebens mehr oder weniger ausgeprägte Probleme  das Erinnerungsvermögen und die Aufmerksamkeitsspanne weisen am häufigsten Defizite auf. Aber auch Wortfindungsstörungen und Probleme mit der motorischen Koordination können auftreten. Je weiter die Krankheit fortschreitet, können sich diese Beeinträchtigungen verschlechtern. Aber wie kommt es eigentlich dazu?

MS: Warum kommt es zu kognitiven Beeinträchtigungen?

Im Laufe der Erkrankung kann es zu einer sogenannten „Demyelinisierung“, der Schädigung und dem Verlust der isolierenden Schutzschicht der Nervenzellen kommen. Myelin ist die Substanz, die Axone (Fortsätze der Nervenzellen) und Nervenzellkörper im Hirn umhüllt und der Nervenleitgeschwindigkeit dient. Durch eine Schädigung dieser Schicht, kann es dazu kommen, dass die Kommunikation zwischen den Neuronen nicht mehr so funktioniert wie sie sollte. Die Schäden an den Nervenhüllen können beinahe jeden Bereich des Gehirns betreffen, weshalb kognitive Beeinträchtigungen sehr vielfältig sein können. Im Allgemeinen bezeichnet der Begriff „Kognition“ übergeordnete Gehirnfunktionen wie Erinnern, Wahrnehmen und Planen.

Fatigue und Depressionen wirken sich negativ auf Kognition aus

Die Frage, warum gerade man selbst von einer Krankheit betroffen ist, hat sich vermutlich jeder Betroffene schon einmal gestellt. Das zeigt, dass man nach einer Diagnose dazu neigt, sich stark auf das eigene Leid zu konzentrieren – laut Frau Mühl ein echter Glückshemmer. Was wir dabei vergessen ist, dass wir nicht alleine sind. Viele tausende Menschen haben dieselbe Diagnose erhalten. Statt uns auf das Schlechte zu konzentrieren, empfiehlt Frau Mühl die positiven Dinge ins Auge zu fassen: Beispielsweise, dass die Lebensumstände in dem Land, in dem man lebt, es erlauben verhältnismäßig gut mit Krankheiten und Schicksalsschlägen umzugehen.

Nicht selten sind auch Fatigue und Depressionen mitverantwortlich für eine Verschlechterung der kognitiven Fähigkeiten. Durch eine neuropsychologische Testung kann festgestellt werden, ob es sich bei auftretenden Schwierigkeiten um kognitive Beeinträchtigungen durch die MS handelt, oder ob ihnen eine Depression zugrunde liegt. Unabhängig von der Ursache: Mental fit und ausgeglichen zu bleiben ist bei chronischen Erkrankungen wie MS ein wichtiger Bestandteil einer ganzheitlich erfolgreichen Therapie.

Hierbei können Meditation und andere Entspannungs- und Fokussierungs-Methoden helfen. Eine Studie der Harvard Medical School legt nahe, dass die Gehirnstrukturen, die für Aufmerksamkeit und die Verarbeitung von kognitiven Informationen zuständig sind, bei Menschen, die regelmäßig meditieren, stärker ausgeprägt sind. Die Forscher*innen vermuten, dass Meditation die Fähigkeit, neue Verbindungen zwischen Nervenzellen auszubilden, fördern kann.

Meditation: Einfache Übung für Anfänger

  1. Machen Sie es sich gemütlich, lockern Sie Ihren Körper und finden Sie eine angenehme Sitz- oder Liegeposition. 
  2. Beginnen Sie langsam und ruhig zu atmen und konzentrieren Sie sich dabei nur auf die Luft die aus Mund und Nase strömt und wieder eingesogen wird. 
  3. Spüren Sie, wie die Luft durch ihren Körper fließt, nehmen Sie Ihre Atmung bewusst wahr. 
  4. Sollten Ihre Gedanken abschweifen, kommen Sie immer wieder bewusst zu Ihrer Atmung zurück.
    Mit jeder Wiederholung dieser Übung werden Sie merken, dass Sie sich besser auf das Hier und Jetzt konzentrieren sowie leichter entspannen können und eine engere Verbindung zu sich selbst aufbauen.

Gehirnjogging: So kann man die Graue Masse im Alltag trainieren

Neben Meditation und speziellen kognitiven Trainingsprogrammen kann man die Gehirnleistung auch im alltäglichen Leben steigern. Etwa durch das Erlernen einer neuen Sprache oder regelmäßiges Lesen. Auch Bewegung hat einen nachweisbaren Einfluss auf unsere geistige Leistungsfähigkeit. Die positiven Effekte von körperlicher Betätigung auf die Hirnleistung wurden bereits in zahlreichen wissenschaftlichen Studien bestätigt.

Kognitive Trainings-Programme

Das kognitive Training ist Teil der ganzheitlichen „Ergotherapie“, bei der soziale und psychologische sowie pädagogische Faktoren in die Behandlung der MS miteinbezogen werden. Damit sollen die kognitiven Funktionen langfristig erhalten oder wiederhergestellt werden. Obwohl es zu dieser Behandlungsmethode noch verhältnismäßig wenige Studien gibt, wird das kognitive Training für Betroffene von MS als durchaus sinnvoll erachtet. Wer sich ein spezifisches auf MS zugeschnittenes Trainingsprogramm wünscht, wird im Internet schnell fündig.

Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) hat das Online-Trainingsprogramm „MS Kognition“ entwickelt, mit dem man mit insgesamt 9 Übungen verschiedene Fähigkeiten des Gehirns trainieren kann, u.a.:

  • Aufmerksamkeit
  • Gedächtnis
  • Planerische Funktionen

Für unterwegs ist die App “MS Kognition” zum Download im App Store (Apple) oder im Google Play Store (Android) verfügbar.

Fazit: Mental fit zu bleiben ist vor allem bei MS ein wichtiger Teil der ganzheitlichen Therapie. Entspannungsübungen (wie z.B. Meditation) können helfen, Fatigue und Depressionen zu bekämpfen und Gehirnjogging hält die Graue Masse auf Trab und wirkt kognitiven Beeinträchtigungen durch die MS entgegen. Ganz nach dem Motto des diesjährigen Welt-MS-Tags „I connect, We connect“ kann man durch mentales Training lernen, die Verbindung zu sich selbst zu stärken und die Bedürfnisse des eigenen Körpers besser wahrzunehmen. 

Quellen:

https://www.researchgate.net/publication/23758917_Clinical_Trials_of_Meditation_Practices_in_Health_Care_Characteristics_and_Quality

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20203380

https://www.dmsg.de/ms-kognition/kognitive_problem.html

https://www.dmsg.de/ms-kognition/kognitive_uebungen.html

https://n.neurology.org/content/neurology/90/6/278.full.pdf

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3622473/

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29990702

AT/NEUR/0320/0012| Titelbild: © kite_rin/Adobe Stock

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