MS-Therapie: Was ist bei der Definition von Zielen wichtig?

von | 10. September 2019 | Erkrankung & Therapie

Eine Frage – drei Perspektiven: Die Antworten geben die beiden Fachärzte für Neurologie Dr. Christian Bsteh und Dr. Doris Hauer sowie die Leiterin der Selbsthilfegruppe Kunterbunt, Mag. Manuela Lanzinger.

Jeder, der schon einmal eine längeren Wanderung gemacht hat, weiß, dass es im Vorfeld wichtig ist die Wanderung zu planen. Dabei ist der entscheidende Faktor: das Ziel. Nur wenn mir das Ziel meiner Wanderung klar ist, kann ich alles andere planen – Route, Ausrüstung, Proviant etc.

Was für eine Wanderung gilt, ist einer MS-Therapie nicht unähnlich. Auch hier gilt es, Ziele zu definieren: Was ist dem Betroffenen wichtig? Was ist aber auch dem behandelnden Arzt bzw. der Ärztin wichtig?

Basis: ein offenes und ehrliches Gespräch

„Ganz wichtig ist eine Offenheit seitens dessen, der aufklärt”, informiert Dr. Bsteh. „Wir können zum derzeitigen Stand der Medizin dem Patienten anbieten, dass Schübe – durch die akute Schubbehandlung – abgekürzt und abgeschwächt werden können. Wir können ihnen aber auch anbieten, dass die Erkrankung selbst durch Therapien verändert wird. Das heißt, dass Schübe aufgrund der Therapie seltener auftreten, und dass die Behinderung, die durch die Schübe dann stattfinden kann, vermindert bzw. verlangsamt wird.”

„Was wir ihnen leider nicht anbieten können ist, dass diese Krankheit geheilt oder vollständig kontrolliert wird”, betont Dr. Bsteh. „Das ist leider derzeit nicht möglich. Dabei ist es wichtig, ganz individuell in den Gesprächen darauf einzugehen, welche Möglichkeiten der Patient hat? Und nicht welche Möglichkeiten ihm durch die Erkrankung verbaut werden? Sondern vielmehr, was kann er verbessern und welche Stärken und nicht welche Schwächen hat er.”

Arzt – Patient: zwei Sichtweisen in Einklang bringen

Wenn es um die Definition von Therapiezielen geht, muss man zwischen den ärztlichen Zielvorstellungen und denen des Patienten unterscheiden. „Als Arzt möchte ich natürlich, dass der Patient möglichst wenig Schübe, keine Krankheitsprogression und auch keine Aktivität im MRT hat”, informiert Dr. Hauer.

„Aus der Patientensicht ist es meist etwas anders”, weiß Dr. Hauer aus ihrer beruflichen Praxis. „Hier braucht der Patient ein Medikament, das er gut in den Alltag integrieren kann und das ihm möglichst wenig Nebenwirkungen beschert. Damit er seinen Alltag und auch das tägliche Leben gut meistern kann.” Das Ziel ist: Möglichst kein Fortschreiten der Grunderkrankung und dass der Patient möglichst lange ohne Behinderung bleibt.

Wenn es um Therapieziele geht, stehen bei Patienten ganz klar die Symptome im Vordergrund, informiert Mag. Lanzinger, selbst MS-Patientin und Leiterin der Selbsthilfegruppe Kunterbunt: „Welche Symptome sind vor allem störend? Wo brauche ich medikamentöse Unterstützung? Ganz entscheidend finde ich aber auch, den Arzt und die Ärztin zu fragen, welche zusätzlichen Therapien ich auch noch nehmen oder ob ich z. B. eine Reha in Anspruch nehmen soll?

AT/NEUR/0919/0063

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