Physiotherapeutin KathiBetroffene SchirinDie Physiotherapie begleitet Schirin (28) schon länger durch Höhen und Tiefen. Bereits seit 2015 lebt die junge Betroffene mit der MS und sie hatte im Laufe dieser Zeit zwei Physiotherapeutinnen. Inzwischen weiß Schirin sehr genau, worauf es ihr selbst bei PhysiotherapeutInnen am meisten ankommt und wie ihr die Therapie hilft. In diesem Beitrag gibt sie ihre persönlichen Tipps weiter. 

Welche/r PhysiotherapeutIn ist der/die Richtige für mich?

Diese Frage beschäftigt die meisten MS-Betroffenen früher oder später. PhysiotherapeutInnen begleiten einen über einen langen Zeitraum. Darum ist es besonders wichtig, jemanden zu finden, mit dem man sich vorstellen kann, langfristig zusammenzuarbeiten. Schirin und Physiotherapeutin Katharina sind sich einig, dass es sich lohnt, jemanden zu finden, der sich mit dem Krankheitsbild der MS auskennt – beispielsweise durch eine neurologische Zusatzausbildung – und der auch Erfahrung mit MS-PatientInnen hat.

Die Sympathie muss stimmen

Entscheidend ist außerdem, dass PatientIn und PhysiotherapeutIn auf einer Wellenlänge sind. „Für mich war es besonders wichtig bei der Suche nach meiner Physiotherapeutin, dass es zwischenmenschlich gut funktioniert und dass ich das Gefühl habe, mich ihr immer mit meinen Anliegen und Beschwerden anvertrauen zu können“, betont Schirin. 

Bei ihrer ersten Physiotherapeutin war das nicht der Fall, erzählt die Betroffene: „Ganz am Anfang meiner Diagnose hatte ich recht viele Schübe und die Tatsache, dass das Zwischenmenschliche mit meiner damaligen Physiotherapeutin nicht gepasst hat, blockierte mich irgendwie in meinem Heilungsprozess. Es klingt vielleicht komisch, aber es war dadurch für mich schwierig, mich auf das Ganze einzulassen. Die MS ist dann weiter fortgeschritten und ich bin kurzzeitig sogar im Rollstuhl gesessen. Ich kann nur jeden darin bestärken, sich zu trauen, den Therapeuten oder die Therapeutin zu wechseln, wenn die Chemie nicht stimmt.“ Es lohnt sich, weiß Schirin aus eigener Erfahrung, denn heute geht es ihr deutlich besser. Mehr über Schirins Weg lesen Sie hier.

Eine wertvolle Stütze

Die junge Betroffene hat beim zweiten Anlauf schließlich die für sie perfekt passende Therapeutin gefunden. Für Schirin ist sie inzwischen eine echte Vertraute geworden und so empfindet sie die wöchentliche Therapiestunde nicht als lästige Pflicht, sondern im Gegenteil als wertvolle Quality time oder als Treffen mit einer Freundin. „Mit Motivation und Verständnis begleitet meine Physiotherapeutin mich durch Höhen und Tiefen. Sie weiß dabei immer genau, welche ‘Knöpfe’ sie bei mir drücken muss, wie sie mich fordern und fördern kann“, so Schirin. 

Außerdem hat die Physiotherapeutin immer ein offenes Ohr für die Sorgen ihrer PatientInnen. „Mit meiner Physiotherapeutin rede ich auch viel über mentale und persönliche Dinge. Da habe ich einen besseren Bezug, immer die gleiche Ansprechpartnerin, man sieht sich öfter, ist per du. Für mich ist es, wie wenn ich ein Workout mit einer Freundin mache. Durch diese Vertrauensbasis fällt es mir leichter, Dinge anzusprechen, die vielleicht schwierig sind, wie zum Beispiel Blasenschwäche oder Gleichgewichtsstörungen. Man zeigt das oft zu wenig, aber mir gibt meine Physiotherapeutin wirklich sehr viel Halt“, schildert Schirin dankbar.

Mit Fleiß zum Erfolg

Die Therapeutin legt der MS-Betroffenen nahe, die Übungen am besten täglich zu machen. Schirin spürt selbst, wie gut ihr das tut und dass sich das Dranbleiben definitiv lohnt. Gleichzeitig gibt sie zu: „Natürlich ist es nicht immer leicht, sich dazu aufzuraffen, wenn man nach einem langen Arbeitstag müde oder einfach mal faul ist. Aber ich versuche, zusätzlich zu meiner Physiotherapie-Stunde, dreimal wöchentlich die Übungen zu Hause zu machen.“

Was die Physiotherapie bei ihr bewirkt hat

Die Physiotherapie hat Schirin sehr dabei geholfen, wieder mobiler zu werden und das Vertrauen in den eigenen Körper wiederzufinden. Auch ihre Hidden MS-Symptome wie zum Beispiel die Blasenschwäche, aber auch Probleme mit dem Gleichgewicht haben sich durch das regelmäßige Üben deutlich gebessert. „Es ist einfach schön, wenn ich dann mit einem sicheren Gefühl hinausgehen kann und merke, dass ich meinem Körper wieder etwas zumuten kann und darf“, schildert die Betroffene.

Schirins Fazit

„Auch wenn mancher anfangs vielleicht die Übungen oder deren Wirkung anzweifelt – Physiotherapie nützt extrem viel und ich würde wirklich allen Betroffenen nahelegen, Physiotherapie in Anspruch zu nehmen. Die PhysiotherapeutInnen leisten wirklich Großes und es hilft! Also bleibt dran, es zahlt sich aus – das kann ich aus meiner eigenen Erfahrung bestätigen.“

5 Tipps für eine erfolgreiche Physiotherapie

  • Suchen Sie einen qualifizierten Physiotherapeuten/eine Physiotherapeutin mit Erfahrung bei MS.
  • Achten Sie auf Sympathie und ein gutes Vertrauensverhältnis – das A und O der Therapie.
  • Haben Sie Mut zum Wechsel des Therapeuten/der Therapeutin, wenn es nicht passt.
  • Bleiben Sie dran, haben Sie Geduld, auch wenn phasenweise scheinbar keine Besserung feststellbar ist. 
  • Seien Sie regelmäßig aktiv, das bringt mehr Sicherheit und Mobilität im Alltag.

Das gesamte Video-Gespräch von Betroffener Schirin mit Physiotherapeutin Katharina finden Sie hier.

M-AT-00002493| Titelbild: © Mediteraneo/Adobe Stock

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