Resilienz – die Widerstandskraft der Psyche

von | 24. Mai 2021 | Alltag & Beruf

Blasenstörungen

Jeder Mensch wird im Leben mit Widrigkeiten konfrontiert: Sei es etwa durch Stress, kritische Lebensereignisse oder eine Erkrankung wie die MS. Wie gut jeder einzelne damit umgehen kann, ist jedoch sehr individuell. Zerbricht der eine an einer schwierigen Situation, scheint ein anderer sogar daran zu wachsen. Doch woran liegt das? Das Zauberwort lautet: Resilienz.

Als Resilienz wird eine psychische Widerstandsfähigkeit bezeichnet, die bewirkt, dass Menschen auch in herausfordernden Situationen eine gewisse innere Grundstabilität behalten. Zwar können auch resiliente Menschen durch kritische Ereignisse mal aus der Bahn geworfen werden, finden dann aber rascher zu ihrem inneren Gleichgewicht zurück. Da sie sich so schneller an neue Situationen anpassen und Krisen besser bewältigen können, erreichen sie insgesamt eine verbesserte Lebensqualität.

Welchen Einfluss hat die Resilienz bei MS?

Da der Verlauf der Multiple Sklerose schwer vorhersehbar ist, entstehen für Betroffene immer wieder herausfordernde neue Situationen, bei denen eine gewisse Widerstandsfähigkeit nötig ist. Daher ist die Resilienz gerade für Menschen mit MS ein wichtiger Faktor. Das zeigt auch die aktuelle Studienlage: Diese spricht für einen starken Zusammenhang zwischen Resilienz und psychischer Gesundheit bei körperlich Erkrankten. Die Resilienz scheint sich jedoch nicht nur positiv auf die Psyche auszuwirken: Eine am ECTRIMS (European Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis) Kongress 2017 veröffentlichte Studie hat auch gezeigt, dass bei MS-PatientInnen eine stärkere Resilienz durchschnittlich nicht nur mit einem geringeren Behinderungsgrad assoziiert wird, sondern auch dazu beiträgt. Weitere Studien sind notwendig, um eine schützende Langzeitwirkung der Resilienz zu belegen. Nichtsdestotrotz ist es umso wichtiger, dass Menschen mit MS neben der Behandlung von körperlichen Symptomen auch auf ihre psychische Gesundheit achten.

Resilienz kann man lernen!

Das Gute ist: Jeder von uns hat die Grundvoraussetzungen für Resilienz in sich – manche müssen sie nur hervorlocken. Wir alle haben innere Kraftquellen, auf die wir zurückgreifen können und eine individuelle Art, mit Widrigkeiten des Lebens umzugehen. Davon abhängig ist auch die Resilienz unterschiedlich stark ausgeprägt. Jeder kann sich aber ein besseres Rüstzeug für schwierige Lebenssituationen anschaffen und die Resilienz stärken. Dafür müssen nur diese inneren Kraftquellen weiterentwickelt und positive Bewältigungsstrategien erlernt werden.

Was beeinflusst die Resilienz?

Es gibt einige Faktoren, die helfen, mit herausfordernden Situationen besser umzugehen und so die Resilienz positiv beeinflussen. Eine wichtige Rolle spielt zum Beispiel, ob man einen klaren Sinn im Leben sieht. Überlegen Sie ganz bewusst und systematisch, welche Werte Ihnen wichtig sind und handeln Sie möglichst danach. Dies hilft zu begreifen, was Ihnen in Ihrem Leben Sinn gibt.

Der erste Schritt: Die Krankheitsbewältigung

Die Diagnose Multiple Sklerose bedeutet für viele einen großen Einschnitt im Leben. Unter vielen Aufgaben, die dadurch auf einen zukommen, ist eine besonders wichtig: die MS und ihre Auswirkungen nicht nur körperlich sondern auch psychisch zu bewältigen. Der Weg hin zu mehr Resilienz geht Hand in Hand mit einer guten Krankheitsbewältigung. Wie diese gelingen kann, erfahren Sie in unserem Artikel.

Eine wichtige Voraussetzung ist dabei, die MS für sich zu akzeptieren. Das heißt aber nicht, dass man sie positiv finden oder sich nun tatenlos dem Schicksal hingeben muss. Man sollte eher versuchen, zu akzeptieren, dass die Erkrankung oder eventuelle Einschränkungen vorhanden sind und sich bemühen, damit verbundene Gefühle wahrzunehmen und anzunehmen. Die Akzeptanz ist auch in anderen schwierigen Situationen essenziell. Erst wenn man den Status Quo anerkennt und begreift, kann man davon ausgehend neue Schritte in eine positive Richtung setzen.

Die Macht des positiven Denkens

Eine optimistische Grundeinstellung stärkt die Resilienz. Denn eine grundlegend positive Sicht in die Zukunft gibt bei der Bewältigung von Krisen Hoffnung und hilft, aktiv zu bleiben. So hat uns die Glückstrainerin Frau Mühl erklärt: Der Schlüssel zum Glück ist auch, negative Gedankenmuster rund um die Erkrankung loszulassen. Stattdessen sollte man sich möglichst mehr auf positive Aspekte des Lebens konzentrieren. Frau Mühls Tipp dazu: Führen Sie ein Glückstagebuch – schreiben Sie dazu jeden Tag drei Dinge auf, die Sie glücklich gemacht haben. Weitere Ideen, um die Gedanken in eine optimistische Richtung zu lenken, können Sie in unserem Artikel nachlesen.

Gemeinsam sind wir stark

Seelischen Halt gibt einem auch ein gutes soziales Umfeld: Es ist also bedeutsam, ein Netzwerk an nahestehenden Menschen wie Freunden und Familie zu haben, das einen stützt. Ziehen Sie sich also nicht zurück, sondern treffen Sie sich regelmäßig mit Menschen, die Ihnen guttun und tauschen Sie sich aus.

Kümmern Sie sich um sich selbst

Konzentrieren Sie sich aber auch auf sich: Lernen Sie, sich gut um sich selbst zu kümmern und bemühen Sie sich, das eigene Selbstwertgefühl zu stärken. Besonders auch die Fähigkeit gedanklich flexibel zu bleiben und auf Veränderungen immer wieder im Denken und Handeln zu reagieren, ist eine wichtige Grundvoraussetzung für Resilienz. Hierbei ist es auch wichtig, einen guten Umgang mit Stress zu finden. Die Klinische Psychologin und Psychotherapeutin Mag. Dr. Natascha Tesar-Pelz hat uns Tipps dazu gegeben, wie das gelingen kann.

Selbstwirksamkeit – Schlüsselfaktor der Resilienz

Besonders im Rahmen einer chronischen Erkrankung ist es wichtig, dass man für sich selbst Entscheidungen treffen kann und aktiv bleibt. Die sogenannte Selbstwirksamkeit ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr Resilienz. Das Wissen, selbst etwas beeinflussen zu können, ist wichtig, um sich der Erkrankung nicht völlig ausgeliefert zu fühlen. Die Selbstwirksamkeit kann man am besten durchs Tun fördern: Wenn man so die Erfahrung macht, dass man Einfluss nehmen kann – etwa durch die Auswahl des passenden Arztes und einer geeigneten Therapie – stärkt man damit automatisch das Gefühl der Selbstwirksamkeit und traut sich mehr zu.

Man kann zum Beispiel selbstwirksam agieren, indem man ganz gezielt Änderungen im Leben vornimmt – etwa eine vertraute Lebensgewohnheit umstellt. Auch wer willentlich Hilfe annimmt, ohne die eigene Autonomie zu verlieren, agiert selbstwirksam. Machen Sie sich immer wieder Ihre eigenen Fähigkeiten und Leistungen bewusst. Mit einem gestärkten Gefühl der Selbstwirksamkeit kann es gelingen, stressige Situationen weniger als Bedrohung und mehr als Herausforderung wahrzunehmen.

8 Tipps um Ihre Widerstandskraft zu stärken

Falls Sie den Verdacht haben, an einer Depression zu leiden, holen Sie sich unbedingt ärztliche Hilfe. Wenn Sie unsicher sind, wohin Sie sich am besten wenden sollen oder spezielle Fragen haben, können Sie sich bei den MS-Landesgesellschaften beraten lassen. Einige bieten auch spezielle psychosoziale Beratungsgespräche und Psychotherapie an, beispielsweise die MS-Gesellschaft Wien.

  1. Versuchen Sie, Ihre Erkrankung sowie eventuelle Krisen und damit verbundene Gefühle zu akzeptieren.
  2. Bemühen Sie sich aktiv um Lösungen und Unterstützung.
  3. Versuchen Sie, eine optimistische Haltung anzunehmen.
  4. Vermeiden Sie Selbstvorwürfe.
  5. Pflegen Sie Beziehungen zu Menschen, die Ihnen guttun.
  6. Trauen Sie sich etwas zu.
  7. Bemühen Sie sich, flexibel zu bleiben.
  8. Treffen Sie selbstbestimmt Entscheidungen.

Quellen:

Österreichische Multiple Sklerose Bibliothek (ÖMSB)

https://www.aerzteblatt.de/archiv/200707/Zusammenhang-von-Resilienz-und-psychischer-Gesundheit-bei-koerperlichen-Erkrankungen

https://www.oemsg.at/2019/12/webinar-entwicklung-und-staerkung-von-resilienz/#:~:text=Menschen%2C%20die%20sich%20in%20Resilienz,und%20lernen%20leichter%20Grenzen%20abzustecken

https://onlinelibrary.ectrims-congress.eu/ectrims/2017/ACTRIMS-ECTRIMS2017/199603/sylvia.klineova.resilience.matters.in.multiple.sclerosis.the.independent.html

https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/html/10.1055/a-0594-7365#N69054

AT-00001308 | Titelbild: © Yakobchuk Olena/Adobe Stock

Login