Wann ist es ein Schub? Was sind typische Schub-Symptome? Wie ist die akute Schubtherapie bei Multipler Sklerose? Fragen, die oftmals gestellt werden, beantworten Mag. Manuela Lanzinger, selbst MS-Patientin und Leiterin der Selbsthilfegruppe Kunterbunt, sowie Dr. Doris Hauer, Fachärztin für Neurologie.

Wann ist es ein Schub?

Ich habe gerade Probleme. Ist das jetzt ein Schub oder nicht? Mit solchen oder ähnlichen Fragen kommen MS-Betroffene immer wieder in die Selbsthilfegruppe Kunterbunt, die von Mag. Manuela Lanzinger geleitet wird. Bei einem Verdacht, heißt es nachfragen: Wie lange dauern die Beschwerden? Und wie schlimm sind sie?

Wenn du dir nicht sicher bist und wenn es auf jeden Fall länger als 24 Stunden andauert, dann informiere deinen Arzt oder deine Ärztin und frage, was du unternehmen sollst”, so der Ratschlag der Selbsthilfegruppen-Leiterin. Lass dir auf keinen Fall von irgendwelchen unwissenden Leuten irgendetwas einreden, sondern hole dir wirklich die Expertise von deinem Arzt und deiner Ärztin. Fürchte dich auch nicht, dann die dementsprechenden Behandlungsschritte zu setzen.“

Was sind typische Schub-Symptome?

Um einschätzen zu können, ob die Beschwerden auf einen Schub hinweisen oder nicht, ist es wichtig die typischen Symptome eines MS-Schubes zu kennen. Welche das sind, erklärt die Neurologin Dr. Doris Hauer: „Zumeist bemerken die Patienten eine Sehnerventzündung. Das bedeutet, dass der Patient auf einem Auge verschwommen sieht und hier Rot nicht so intensiv wahrnehmen kann.” Darüber hinaus können Betroffene beim Sehen auch einen Bewegungsschmerz am Auge wahrnehmen. 

Sensible Ausfälle sind eine sehr häufige Beginnsymptomatik. Dabei handelt es sich um Gefühlsstörungen an Oberarmen oder Beinen, die dann meist halbseitig auftreten. Auch Lähmungen können zu Beginn vorkommen, sind aber eher seltener.

Was der Neurologin ganz wichtig ist und die Patienten wissen sollten: „Ein Schub ist dadurch definiert, dass es zu einer konstanten, neurologischen Ausfallssymptomatik über mindestens zwei bis drei Tage bestehend, kommt. Also so dieses kurz einmal Kribbeln hier oder dort, das ist kein MS-Schub.”

Wie ist die akute Schubtherapie bei Multipler Sklerose?

Was man nicht vergessen darf: Ein Schub bringt nicht nur körperliche Beschwerden mit sich, sondern oftmals auch Verunsicherung, Unruhe und Angespanntheit. „Vor allem zu Beginn der Erkrankungsphase weiß man oft nicht, ist das ein Schub oder ist das keiner”, so Dr. Doris Hauer. „Hierzu empfehle ich schon Kontakt mit dem Arzt aufzunehmen, wenn man nach ein bis zwei Tagen merkt, dass man eine ständige Ausfallssymptomatik wahrnimmt.” Je nachdem wie stark man betroffen ist, wird dann auch eine Therapie vorgenommen: ambulant oder stationär.

„Meistens kann man den Schub ambulant behandeln: mit Kortison in Form von einer Infusion, je nachdem über drei bis fünf Tage; begleitend durch eine Magenschutztherapie. Wenn es notwendig ist, wird dies noch einmal wiederholt bzw. dann auch noch mit Tabletten ausgeschlichen”, informiert Dr. Hauer.Sollte es zu einem sehr schweren Ereignis kommen, „dass der Patient plötzlich nicht mehr gehen oder schlucken kann, oder vielleicht sogar bedroht ist, sein Augenlicht zu verlieren, wird dies natürlich dann stationär im Krankenhaus behandelt”, betont die erfahrene Neurologin. „Hier kann, wenn es notwendig ist, sogar eine Blutwäsche (d.h. Plasmapherese) oder eine Immunadsorption vorgenommen werden, um diese hohe Zahl der Antikörper aus dem Blut zu entfernen.”

AT/NEUR/0619/0049

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