Andrea ist Coach, Yogalehrerin – und sie hat MS. In diesem Artikel schildert sie, wie wichtig das Thema Selfcare gerade bei chronischen Erkrankungen wie der MS ist und gibt Tipps, wie man zu einem gesunden Selbstbild finden kann.

Ihr Leben besteht nicht nur aus MS

Vor allem kurz nach der Diagnose definieren sich viele Betroffene sehr über die Krankheit. Leicht passiert es da, dass der natürliche Bezug zu einem selbst ein bisschen verloren geht. Lebensbereiche oder Rollen, die man vorher hatte, geraten in den Hintergrund oder werden nicht mehr wahrgenommen. Viele vergessen dann auf sich und ihre eigenen Bedürfnisse zu achten einfach weil sich alles um die MS dreht, weiß Andrea von ihren Coachings. Wie es ihr selbst nach der Diagnose ergangen ist und auf welche Weise Yoga ihr half, einen besseren Umgang damit zu finden, erfahren Sie im ersten Teil des Interviews.

Haben Sie Geduld mit sich

Andrea durfte bereits einige Betroffene dabei begleiten, den jeweils individuellen und stimmigen Weg zu finden. Ihr Rat für neu Betroffene lautet: „Geben Sie sich die nötige Zeit und haben Sie Geduld mit sich – das reduziert den Druck. Es darf sein, dass einen die Diagnose erschüttert. Geben Sie daher jedem Gefühl, das sich in dem Moment zeigt, den nötigen Raum.“

Setzen Sie Ihren Fokus bewusst neu

Im nächsten Schritt ist es aber wichtig, zu versuchen, die Diagnose MS und die Symptome gedanklich wieder etwas in den Hintergrund zu rücken, betont die Expertin. Denn Sie und Ihr Leben bestehen nicht nur aus der MS! Also gehen Sie trotz MS Ihren Hobbies nach und machen Sie weiterhin oder wieder Dinge, die Ihnen guttun, rät Andrea. Das unterstützt Ihr seelisches Wohlbefinden.

Bleiben Sie positiv

MS ist die Krankheit der tausend Gesichter – natürlich kann man dabei nicht leugnen, dass es Verläufe gibt, die wirklich einschneidend sind. „Aber es gibt genauso unglaublich viele Verläufe, bei denen sich die Erkrankung wenig auf den Alltag auswirkt, außer, dass man im besten Fall vielleicht ein bisschen achtsamer wird“, betont Andrea.  

Coach Andrea empfiehlt daher, trotz allem positiv zu bleiben, in sich zu gehen und einfach zu überlegen: „Welches Symptom habe ich jetzt gerade tatsächlich und wie sehr beeinflusst das meinen Alltag?“ 

Trainieren Sie Ihre Achtsamkeit

Besonders die Schübe geben einem manchmal einen Wink, achtsamer im Hinblick auf die Signale des eigenen Körpers zu werden. Oft spürt man schon relativ früh ein Kribbeln in den Händen oder dass die Füße ein bisschen schwächer sind. Dann ist es gut, inne zu halten und zu schauen, was gerade im eigenen Leben los ist, empfiehlt Andrea.

Nehmen Sie die MS als Wegbegleiter an

„Ohne sich dabei über die Diagnose MS zu definieren, kann man sie dennoch als Wegbegleiter sehen – die Symptome weisen einem nämlich ab und zu den Weg oder halten einem manchmal auch ein Stoppschild hin. Das mag natürlich niemand gerne, wenn man gerade im Fluss ist und viele Dinge schaffen möchte. Dann gilt es zu hinterfragen: ‘Was sagt mir das gerade?’ Vielleicht, dass ich eine Pause machen sollte, dass ich mir zu viel vorgenommen habe. Vielleicht auch, dass eine getroffene Entscheidung in dem Moment nicht stimmig war und noch etwas in einem arbeitet“, meint Andrea. 

Es gelingt nicht von Anfang an, aber die MS anzunehmen und sich damit auseinanderzusetzen ist ganz entscheidend für ein gesundes Selbstbild, betont sie – also die allumfassende Annahme seiner selbst mit MS. Nur so kann man den jeweils stimmigen Weg für sich finden.

Team of Trust das unterstützende persönliche Experten-Team

Unterstützung anzunehmen ist ein wichtiger Punkt beim Thema Selfcare. Es kann durchaus sein, dass diese nicht immer vom engsten Umfeld kommt. Andrea spricht in dem Zusammenhang gerne vom ‘Team of Trust’: „Es besteht nicht nur aus dem persönlichen Umfeld mit Freunden und Familie, die einem zur Seite stehen. Dazu gehören auch die Experten, die man sich sucht. Also beispielsweise gute Ärzte, Physiotherapeuten, Psychotherapeuten, Coaches oder wer auch immer dabei unterstützen kann, dass es einem besser geht.“

Wer oder was tut Ihnen gut?

Dabei empfiehlt die Expertin, sich die Frage zu stellen: „Wem vertraue ich und wer darf mich auf meinem Weg begleiten? Vielleicht auch nur für die nächsten Schritte, um danach immer wieder in sich hineinzuhören, was sich gerade für einen selbst stimmig anfühlt und sein ‘Team of Trust’ danach auszurichten“, fasst Andrea zusammen. 

Um in herausfordernden Phasen wieder zu sich zu finden oder runterzukommen, sucht Andrea sich aus ihrem ‘Team of Trust’, je nach Situation, den passenden Ansprechpartner aus, der sie dabei am besten unterstützen kann. Das ist manchmal der Neurologe, manchmal ein Coach, die Selbsthilfegruppe oder einfach eine Freundin, mit der sie telefonieren möchte. Auch sanftes Yoga und Meditation sind gute Mittel, um wieder zu innerer Ruhe sowie einem positiven Selbstbild und Körperbewusstsein zu finden, empfiehlt Andrea. Tipps dazu, wie man mittels Yoga das Wohlbefinden steigern kann, finden Sie im Teil 2 des Interviews mit Andrea.

Schreiben Sie sich die Gedanken von der Seele

Ein weiterer Selfcare-Tipp, den Andrea ihren Klienten gerne gibt und auch selbst immer wieder nutzt, ist das Journaling. Dabei reflektiert man Dinge, die einen gerade bewegen und schreibt sie auf. „Es hilft ungemein, sich alles von der Seele zu schreiben. In dem Moment, wo man seine Gedanken zu Papier bringt, merkt man, dass alleine das schon etwas mit einem macht. Denn alles, was man nicht ausdrückt, drückt sich ein“, weiß Andrea aus ihrer Coaching-Erfahrung. 

Deshalb: Achten Sie gut auf sich, drücken Sie Ihre Gedanken aus – sei es in einem Gespräch oder mit Stift und Papier. Das dient der Seelenhygiene, hilft dabei, dass die Sorgen im Gedankenkarussell zur Ruhe kommen können und steigert so maßgeblich Ihr Wohlbefinden. Gönnen Sie sich dazu doch ein hübsches Notizbuch oder Tagebuch und halten Sie darin regelmäßig Ihre Gedanken fest. Sie werden sehen, das tut gut und schafft innere Klarheit! 

Fazit: Seien Sie geduldig mit sich, nehmen Sie die Signale Ihres Körpers ernst und kümmern Sie sich gut um sich selbst. Das haben Sie sich verdient.

M-AT-00002169| Titelbild: © Mint & Sugar/Anna-Lena Straßer
Portrait Interviewpartnerin Andrea Berauer-Knörrer: © Mint & Sugar

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