So geben Sie Ihren Liebsten nach der Diagnose Kraft – Wunschliste an Angehörige (Teil 2)

von | 24. Januar 2022 | Partnerschaft & Familie

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Oft würfelt die Diagnose MS erstmal das Leben durcheinander. Umso wichtiger ist es, speziell in dieser Zeit, dass Freunde und Familienmitglieder Betroffene unterstützen – denn Zusammenhalt gibt Kraft. Doch wie kann man als Angehörige/r in dieser Zeit eine gute Stütze bieten?

Im vorherigen Artikel haben Nina und Schirin Angehörigen bereits Tipps zum Umgang mit Betroffenen im Alltag gegeben. Besonders in der Zeit kurz nach der Diagnose stellt sich für viele Angehörige die Frage, wie sie die Person mit MS bestmöglich unterstützen können. Auch speziell für diese Situation geben Nina und Schirin wertvolle Ratschläge.

Schreck lass nach

Die Diagnose MS ist für viele erstmal ein Schock. So haben es auch Schirin und Nina empfunden. „Du hast gerade wirklich einen Schicksalsschlag erlebt. Dass es dir jetzt mal mental nicht so gut geht, ist für eine gewisse Zeit ganz normal“, erinnert sich Schirin. Gerade darum würde sie sich wünschen, dass das Umfeld in dieser Zeit viel Verständnis und Geduld zeigt. Jeder geht dabei anders mit der Erkrankung um – die einen möchten vielleicht ausführlich darüber reden, während die anderen besonders anfangs das Thema MS lieber meiden möchten und sich vielleicht eher zurückziehen. Hier muss man als Angehörige/r viel Feingefühl zeigen.

Reden oder schweigen?

Für viele Außenstehende ist es gerade in dieser Situation schwierig zu wissen, wie sie sich richtig verhalten sollen. Darf man Fragen stellen? Aber was, wenn der andere gar nicht über die Erkrankung reden möchte? Bevor man etwas Falsches sagt, sagen viele lieber gar nichts und so entsteht schnell eine Mauer des Schweigens um die MS.

Im schlimmsten Fall werden auch Kontakte ganz abgebrochen. Schirin erzählt, dass sich nach der Diagnose viele Freunde abgewandt haben, obwohl sie in dieser Zeit umso mehr Rückhalt gebraucht hätte. Einige haben die Erkrankung auch heruntergespielt. Heute umgibt sie sich nur noch mit Leuten, die sie unterstützen. Sie findet es wichtig, dass die Leute in ihrem Umkreis die MS akzeptieren und sich auch etwas damit auseinandersetzen. Nina gibt Angehörigen den Rat: „Ich würd grad in der Diagnosezeit einfach mal nach Informationen fragen.“ Wenn man sich über die MS informiert, kann man mehr Verständnis dafür zeigen, was in der Person gerade vorgeht.

Unsichtbare Begleiter

So ist es etwa wichtig für Angehörige zu wissen, dass es bei der MS auch viele Symptome gibt, die nach außen nicht so sichtbar sind. Zum Beispiel die Fatigue. Mit dieser chronischen Müdigkeit hat Nina häufig zu kämpfen. Wie es ihr damit geht hat sie uns bereits in einem vorigen Artikel verraten. Besonders schwer zu verstehen ist für ihre Familie, dass sie ihre Müdigkeit nicht immer „wegschlafen“ kann. „Es passiert, dass ich den ganzen Nachmittag schlafe und es ist dann für andere schwer verständlich, dass es mir danach trotzdem nicht wirklich besser geht.“

Viele Alltagssituationen sind für Menschen mit MS auch weit kräfteraubender als für gesunde Personen. So meint Schirin etwa: „Ich war immer schon ein sehr kommunikativer Mensch. Nach der Diagnose ist mir aber aufgefallen, dass zwischenmenschliche Interaktionen mittlerweile für mich sehr anstrengend geworden sind.“ Zwar genießt sie dennoch die Zeit mit ihren Freunden, aber wenn sie einen Tag mit ihnen verbringt, muss sie sich den Tag darauf davon erholen. Dass soziale Interaktionen Menschen mit MS mehr Energie kosten, ist für Angehörige wichtig zu wissen, damit sie es nicht persönlich nehmen, falls sich Betroffene von Zeit zu Zeit zurückziehen oder ausgemachte Treffen mal verschieben müssen.

Mit Zeit, kommt Rat

„Natürlich ist Kommunikation extrem wichtig“, weiß Nina. Dennoch muss man auch Verständnis haben, wenn der Betroffene nicht über die MS sprechen möchte. Gerade in der Zeit kurz nach der Diagnose ist es oft besonders schwierig, über die MS zu reden, wissen Schirin und Nina aus Erfahrung. Hier sollte man dem anderen Zeit geben. Nina wollte am Anfang beispielsweise ungern darüber reden, wie es ihr geht.

Präsenz zeigen

Das Wichtigste für Nina ist aber, dass Angehörige „wirklich zeigen: Ich bin da. Wenn du Hilfe oder Unterstützung brauchst, dann musst du dich einfach nur melden.“ Schirin rät außerdem, es nicht persönlich zu nehmen, falls das Gegenüber mal negativ reagiert: „Versuchen Sie nicht immer alles zu verstehen und zu hinterfragen. Seien Sie manchmal einfach nur da. Weil MS-Betroffene sind gelegentlich selbst in ihrer Gefühlswelt ein bisschen durcheinander und sagen vielleicht manchmal aus der Emotionalität heraus Dinge, die gar nicht so gemeint sind. Da ist es ganz wichtig, dass man einfach nur für sie da ist.“

Zusammenhalt gibt Kraft

Ein unterstützendes Umfeld macht gerade in der Zeit kurz nach der Diagnose extrem viel aus. So können Sie als Angehörige/r so einiges bewirken. Ihr Umfeld hat Schirin zum Beispiel sehr dabei geholfen, Ängste zu überwinden, Mut zu fassen und aus dem Schneckenhaus, in das sie sich kurz nach der Diagnose zurückgezogen hat, wieder herauszufinden. Wie genau ihre Angehörigen sie unterstützt haben, können Sie in diesem Artikel nachlesen. Gerade in Zeiten, in denen man an sich selbst zweifelt, braucht man geliebte Menschen, die hinter einem stehen und einem den Rücken stärken besonders.

Weitere Tipps für Angehörige haben wir im Artikel „Gemeinsam sind wir stark“ für Sie zusammengefasst.

M-AT-00001795 | Titelbild: © fizkes/Adobe Stock

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