Zurück auf den Fahrradsattel: So starten Sie fit in den Sommer

von | 6. April 2020 | Bewegung

Wer rastet, der rostet“ –  dieses Sprichwort sollte sich wohl jeder Mensch, egal ob gesund oder krank, zu Herzen nehmen. Besonders für Menschen mit Multipler Sklerose kann Bewegung hilfreich sein, um möglichen körperlichen Beeinträchtigungen durch die MS sowie Begleiterkrankungen vorzubeugen und die Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.

Mobilität auf zwei Rädern

Und was eignet sich besser, um den Körper zu kräftigen und dabei größere Distanzen zurückzulegen, als der gute alte Drahtesel selbst, oder gerade wenn das Gehen schwerfällt und die Bewegungsfähigkeit eingeschränkt ist. Ob alleine oder in Gesellschaft: Radfahren ist die perfekte Sportart, um die positiven Effekte der Natur auf Körper und Psyche voll auszuschöpfen, Beweglichkeit, Ausdauer und Koordination zu verbessern und die Muskeln zu stärken. Für viele MS-PatientInnen ist das Radfahren außerdem ideal, da es ihnen ein großes Stück Flexibilität zurückgeben kann. Mobil zu sein und tagtägliche Besorgungen erledigen und Verabredungen wahrnehmen zu können kann die Lebensqualität enorm steigern.

Warum eignet sich Radfahren bei MS so gut?

Radfahren ist gelenkschonend, da der Sattel den Großteil des Körpergewichts auffängt. Gleichzeitig stärkt das Radeln jene Muskeln, die bei vielen MS PatientInnen schon früh von der Krankheit betroffen sein können, wie z.B. Hüftbeuger, Oberschenkelmuskulatur und Fußheber. Auch Beweglichkeit und Gleichgewichtssinn werden beim Radfahren trainiert. Für PatientInnen, für die ein klassisches Fahrrad nicht geeignet ist, gibt es zahlreiche Radtypen und spezielle Anpassungen, wie Lenkhilfen oder Pedalfixierungen, die den individuellen Bedürfnissen gerecht werden. Abgesehen von den positiven Effekten auf den Körper, eignen sich die wertvollen Trainingseinheiten am Fahrradsattel auch perfekt als soziales Hobby, bei dem man gemeinsam mit Freunden und Familie wieder ein Stück neue Lebensfreude gewinnen kann.

Für Sportmuffel: So finden Sie zurück in die Bewegung

Der Frühlingsbeginn ist die ideale Zeit, um sich wieder auf den Sattel zu wagen. Wir haben ein paar Tipps zusammengefasst, mit denen der Start in die aktive Zeit leichter gelingen kann:

Tipp 1: Hören Sie auf Ihren Körper!

Es gibt keine allgemeinen Empfehlungen, die für alle MS-PatientInnen gleichermaßen gelten. Berücksichtigen Sie Ihre Kondition und respektieren Sie Ihre Grenzen. Finden Sie langsam heraus, was Ihnen gut tut und versuchen Sie, sich nicht zu überfordern. Sprechen Sie ihre Pläne außerdem immer mit Ihrem behandelnden Arzt und/oder Physiotherapeuten ab. Achten Sie darauf, genügend Pausen einzulegen und auf die Signale Ihres Körpers zu hören.

Tipp 2: Ein Pedaltritt nach dem anderen

Nach den faulen Wintermonaten ist es besonders wichtig, behutsam und vorsichtig in den neuen Bewegungsrhythmus zu starten. Achten Sie darauf, sich vor dem Radfahren gut aufzuwärmen, um Verletzungen an den Sehnen, Muskeln, Bändern und Gelenken vorzubeugen und für eine gute Durchblutung der Muskulatur zu sorgen.

Robert Krabacher von der Landesgruppe Tirol der „Österreichischen Multiple Sklerose Gesellschaft“ und selbst Betroffener, startet seinen Tag beispielsweise immer mit Aufwärmübungen am Waschbecken: „Mit den Händen am Beckenrand abstützen und mit den Füße Kreisbewegungen machen erst links dann rechts. Und die Übung nach ein paar Durchgängen freistehend versuchen“. Das wichtigste sei, dass man es schafft, den inneren Schweinehund Tag für Tag neu zu überwinden, so Herr Krabacher. „Man muss jeden alltäglichen Bewegungsablauf als Physiotherapie sehen. Zum Beispiel das Stiegensteigen“. Es sind die kleinen, alltäglichen Dinge, die einen großen Unterschied machen können.

Tipp 3: Achten Sie auf die richtige Ausstattung

Vom Schuhwerk, über die Kleidung bis hin zum Fahrrad: Achten Sie vor jeder Radtour darauf, dass sie optimal ausgestattet sind. Beim Outfit empfiehlt es sich, auf lockere Kleidungsstücke zu setzen, damit Sie nicht zu viel schwitzen. Da eine erhöhte Körpertemperatur die MS-Symptome verschlimmern kann, trainieren Sie besser nicht in zu starker Hitze, tragen Sie leichte, dünne Kleidung und nehmen Sie immer genügend Flüssigkeit zu sich. Das Schuhwerk muss perfekt sitzen, um einen guten Halt im Steigpedal zu gewährleisten. Das Fahrrad selbst sollte auf Ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnitten sein, um Überlastungen und daraus resultierende Schmerzen zu vermeiden. Wenden Sie sich hierfür an einen Experten/eine Expertin. 

Fazit:

Radfahren an der frischen Luft sorgt für eine ordentliche Portion Glückshormone, stärkt den Körper und gibt Menschen mit MS die Möglichkeit, ein Stückchen Flexibilität zurückzugewinnen. Das sieht auch Marlene Schmid, Obmannstellvertreterin & Patientenbeirat der Tiroler MS-Gesellschaft so. Es sei wichtig „Menschen mit Beeinträchtigung zu motivieren, zu mobilisieren und sie zu bewegen, wieder raus ins Leben zu gehen“ und aufzeigen, „dass auch mit MS alles möglich ist – nur eben ein bisschen anders“.

Mehr zum Thema “Bewegung und MS” finden Sie hier.

Quellen:
https://www.msgt.at/

 

M-AT-00000065 | Titelbild: © Syda Producations/Adobe Stock

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