Nach der Diagnose stellen sich die meisten Betroffenen die Frage: Was kann ich tun, um mit der MS möglichst gut zu leben? Zwei junge Frauen mit MS haben uns erzählt, was ihnen im Alltag mit der Erkrankung am meisten geholfen hat.

Schirin G. und Nina S. erhielten beide in jungen Jahren die Diagnose MS. Auch wenn die erste Zeit für sie sehr herausfordernd war, haben sie Wege gefunden, auch mit der Erkrankung zu einem erfüllten Leben zu finden. Was ihnen neben der Therapie besonders geholfen hat, haben wir hier in sieben Tipps für Sie zusammengefasst.

1. It’s a match: Suchen Sie einen Arzt oder eine Ärztin zum Wohlfühlen

Gerade bei einer chronischen Erkrankung wie MS ist es besonders wichtig, dass man sich einen Arzt beziehungsweise eine Ärztin sucht, wo man sich rundum wohlfühlt. Vertrauen ist das Um und Auf. Schließlich begleiten ÄrztInnen Betroffene über längere Zeit und man muss gemeinsam wichtige Entscheidungen zur Behandlung treffen.

Auch bei Nina hat es nicht gleich mit dem ersten behandelnden Arzt perfekt harmoniert. Sie findet daher, kurz nach der Diagnose ist es wichtig zu wissen, dass man sich nicht nur an die MS-Ambulanz einer Klinik wenden kann, sondern auch an niedergelassene NeurologInnen, die eventuell näher vor Ort sind. Nun hat sie zum Glück einen Arzt gefunden, bei dem sie sich sehr wohlfühlt.

2. Informieren Sie sich über die MS

Ein wichtiger Schritt zu einem guten Umgang mit der MS ist, sich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen. Denn nur wenn man gut informiert ist, kann man die besten Entscheidungen für die eigene Gesundheit treffen. Ninas Tipp ist: Wenden Sie sich dafür zum Beispiel an die österreichischen MS-Gesellschaft – denn diese stellt viele wichtige Informationen zur MS bereit. Nina liest auch gerne Blogs von anderen Betroffenen. So hat sie gewisse Vorbilder und kann sehen, wie andere mit der MS umgehen. 

3. Umgeben Sie sich mit Menschen, die Ihnen guttun

Schirin bringt es so auf den Punkt: „Ich finde ein gezielt gewähltes Umfeld und einen erlesenen Freundeskreis generell gesund, aber gerade bei einer Erkrankung wie der MS spielt das eine besonders große Rolle.“ So hat sich Schirin von einigen Leuten im Leben verabschiedet, die ihr nicht gutgetan haben – etwa weil sie ihre Erkrankung heruntergespielt haben. 

„Mittlerweile habe ich einen sehr kleinen Freundeskreis, aber ich weiß, dass das wirklich Menschen sind, die mich unterstützen. Sie wissen, dass ich krank bin und haben sich teilweise selbst informiert und mit der Krankheit auseinandergesetzt – das funktioniert dann einfach besser“, meint sie. 

Schirin ist auch aufgefallen, dass für sie zwischenmenschliche Interaktionen deutlich anstrengender geworden sind als vor der Diagnose. Wenn sie heute einen Tag mit Freunden verbringt, muss sie sich danach länger davon erholen. Umso wichtiger also, die Energie, die man hat, auf Menschen zu lenken, die das Leben bereichern. Das bringt uns gleich zum nächsten Punkt:

4. Meiden Sie unnötige Energieräuber

Mit einer chronischen Erkrankung wie der MS hat man generell oft eingeschränktere Energiereserven. Also lohnt es sich, bewusst Gedanken zu machen, wofür man seine Zeit und Energie verwenden möchte. Welche Dinge im Alltag sind wirklich notwendig und tun einem gut und welche sind nur Energieräuber, die man eigentlich nur anderen zuliebe macht?

5. Bleiben Sie in Bewegung

Bewegung kann nicht nur den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen, sondern hilft auch, ein besseres Körpergefühl zu bekommen und sich wieder mehr zuzutrauen. Schirin hatte anfangs große Schwierigkeiten, ihrem Körper zu vertrauen. Wegen Lähmungserscheinungen in ihrem Bein hatte sie große Angst, beim Treppensteigen zu stürzen. Durch Sport hat sie wieder mehr Sicherheit im Umgang mit ihrem Körper bekommen.

Neben Sport hat Schirin auch die Meditation für sich entdeckt, um sich zu erden: „Ich habe das Gefühl, je mehr Sport und Meditation ich in meinen Alltag eingebaut hatte, desto mehr ging es bergauf.“ Zusätzlich hilft ihr auch die Physiotherapie: „Ich kann wirklich nur jedem MS-Patienten, dem es möglich ist, raten, das in Anspruch zu nehmen und zu versuchen, dem Körper durch Bewegung etwas Gutes zu tun.“ 

Auch Nina hat das Gefühl, dass Bewegung ihre Symptome positiv beeinflusst: Bei Konzentrationsschwierigkeiten hilft es ihr zum Beispiel an die frische Luft zu gehen, Rad zu fahren oder Yoga zu machen. 

Dabei ist aber immer wichtig, auf den eigenen Körper zu hören und sich nicht zu überanstrengen. „Natürlich ist nicht jeder Tag gleich. An manchen Tagen macht es mir überhaupt nichts aus, stundenlang, vielleicht sogar in der Hitze, wandern zu gehen. An anderen Tagen funktioniert gar nichts und dann ist eben das Spazierengehen die Sporteinheit des Tages“, meint Nina. Bewegungseinheiten sollten also auf den eigenen Körper zugeschnitten sein.

6. Trauen Sie sich, Neues auszuprobieren

Nina probiert gerne unterschiedlichste Sportarten aus: Von Klettern über Yoga bis zum Canyoning. Es tut ihr gut, sich so immer wieder selbst herauszufordern: „Ich habe alles mögliche probiert – das macht mir extrem viel Spaß. Es hilft mir auch dabei, mich mit meinem Körper zu verbinden und gibt mir einfach immer die Bestätigung: Ich kann doch noch viel schaffen – auch mit der MS.“ Also haben Sie auch mit der MS den Mut, Neues auszuprobieren und trauen Sie sich etwas zu – nicht nur beim Thema Sport sondern generell. Nur wenn man sich selbst herausfordert, erkennt man, was auch mit der MS alles möglich ist.

7. Achten Sie auf eine gesunde Ernährung

Die Ernährung kann die Gesundheit generell stark beeinflussen – und somit auch die MS. Diese Erfahrung hat auch Schirin gemacht. Zum Zeitpunkt der Diagnose war sie stark übergewichtig. Ihre MS-Erkrankung war der Anstoß, sich mit dem Thema gesunde Ernährung auseinanderzusetzen. Durch die Ernährungsumstellung und Sport ist es ihr gelungen, 80 kg abzunehmen und ihren Gesundheitszustand deutlich zu verbessern. 

Auch heute spielt die Ernährung in ihrem Leben eine wichtige Rolle. „Ich lebe seit 2 Jahren vegan und mir kommt vor, dass Störungen, die davor sehr stark aufgetreten sind, jetzt ein bisschen vermindert auftreten“, meint Schirin. Will man seine Ernährung so stark umstellen, ist es jedoch empfehlenswert, vorab ärztlichen Rat einzuholen. Rückblickend meint Schirin: „Die drei Hauptdinge, die mir am meisten geholfen haben, waren: meine Ernährungsumstellung, die Meditation und der Sport.“

Ausblick:

Nun haben wir viel dazu erfahren, welche äußeren Änderungen Nina und Schirin geholfen haben, um gut mit der MS zu leben. Doch was haben sie innerlich verändert, um einen positiven Umgang mit der Erkrankung zu finden? Das erfahren Sie demnächst.

M-AT-00001988 | Titelbild: ©Krakenimages.com/Adobe Stock

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