Vorkochen & Co: Tipps für eine gesunde Ernährung in der Zeit der Lockerungen

von | 28. Juni 2021 | Ernährung

Blasenstörungen

Dr Gabriele LeitnerIn der Zeit der strengen Corona-Maßnahmen haben viele vermehrt den Kochlöffel geschwungen. Nach den Öffnungen locken nun wieder die Restaurants und oft bleibt weniger Zeit, selbst zu kochen. Doch was kann man aus der Corona-Zeit bezüglich Ernährung mitnehmen und wie lässt sie sich speziell mit MS weiter gesund gestalten? Antworten darauf liefert die Ernährungswissenschaftlerin und Diätologin Frau Dr. Leitner.

Hat sich Ihrem Gefühl nach in der Corona-Zeit beim Thema Ernährung etwas geändert?

Ich denke, das ist individuell sehr unterschiedlich. Es war natürlich eine Zeit mit veränderten Gewohnheiten: Viele haben mehr Zeit zu Hause verbracht und man war in der Bewegung eingeschränkt. Dort ist auch der Weg zum Kühl- oder Süßigkeitenschrank nicht weit und so war man mehr dazu verleitet, zu ungesunden Snacks zu greifen und auch mal Chips oder Naschereien nebenher am Arbeitstisch zu essen. Viele haben daher in der Zeit an Gewicht zugelegt.

Trotzdem haben sicher auch einige die Zeit genutzt, um sich bewusst zu ernähren – also gesund zu kochen oder etwa mehr Regionales und Saisonales zu kaufen. Da die Ernährung so eine wichtige Rolle für unsere Gesundheit spielt, wäre es gerade für Menschen mit MS besonders wichtig, auf diesen Zug aufzuspringen. Vielleicht haben manche MS-Betroffene die Zeit dazu genutzt, um Fleisch aufgrund der entzündungsfördernden Eigenschaften etwas zu reduzieren. Da das Essen unterwegs weggefallen ist, wurde auch automatisch mehr gekocht. Die Frage ist, was Einzelne daraus gemacht haben – ob man mehr Fertigprodukte zu sich genommen oder gesunde Gerichte zubereitet hat. Einige haben sich auch vielleicht stärker damit auseinandergesetzt, wie man das Immunsystem mit Hilfe der Ernährung unterstützen kann und mehr Obst und Gemüse in den Speiseplan eingebaut. Wie das sonst noch gelingen kann, haben wir ja bereits in vergangenen Interviews besprochen.

Denken Sie, dass wir daraus auch etwas in die nächste Zeit mitnehmen können?

Hat man die Corona-Zeit dazu genutzt, die Ernährung bewusster zu gestalten, ist jetzt die Herausforderung, nicht in alte Muster zurückzufallen. Wenn man beim Kochen positive Erfahrungen gemacht hat, werden diese sicher gerne mitgenommen. So behält man vielleicht Rezepte bei, die besonders gut gelungen sind. Man konnte in der Corona-Zeit auch beobachten, dass sich viele Leute bemüht haben, Speisen selbst herzustellen, die früher eher gekauft wurden – zum Beispiel Gebäck wie Brot oder Kuchen. Vielleicht haben so manche gemerkt, dass das Brotbacken gar nicht so aufwändig ist oder dass man durchs Kochen am Familientisch ein Gefühl der Zusammengehörigkeit schaffen konnte und nehmen das für die Zukunft mit. Auch die Sensibilisierung in Richtung Stärkung des Immunsystems wird vielleicht beibehalten.

Welche gesunden Gerichte lassen sich schnell selbst zubereiten, jetzt wo bei vielen der Tagesplan wieder voller ist?

Für eine gesunde Ernährung muss man nicht immer nur Salat essen – es gibt viele andere Rezepte, die man rasch zubereiten kann: Zum Beispiel Eintöpfe, Suppen, Reispfannen oder Nudelgerichte. Diese Speisen können auch weniger geübten KöchInnen leicht gelingen.

Rezept-Tipp: Schnell zubereiteter Couscous

Mit Couscous lässt sich rasch ein gesundes Gericht auf den Teller zaubern. Man muss ihn nur mit heißem Wasser übergießen, ein paar Minuten durchziehen lassen und würzen. Dann kann man Gemüse oder auch Ziegen- oder Schafskäse wie Feta untermischen. Auch Tiefkühlgemüse ist dabei eine gute Option, falls es schnell gehen soll. Man kann den Couscous etwa als Beilage zu Fisch servieren – denn der ist für Menschen mit MS durch die enthaltenen Omega-3-Fettsäuren besonders gesund.

Wie kann man eventuell auch wieder in einem stressigeren Arbeitsalltag auf eine bewusste Ernährung achten?

Man kann zum Beispiel gut Zeit sparen, indem man Gerichte vorkocht und einfriert. Bei Bedarf muss man sie dann nur aufwärmen und hat so rasch etwas selbst Zubereitetes am Teller. Ich empfehle auch, immer Tiefkühlgemüse auf Vorrat zu Hause zu haben, falls es beim Kochen mal schnell gehen muss.

Viele vorgekochte Gerichte kann man auch gut an den Arbeitsplatz mitnehmen: Zum Beispiel Speisen mit Bulgur oder Quinoa, Reispfannen oder auch Aufstriche auf Topfenbasis. Auch Joghurt eignet sich gut für unterwegs – für eine Extraportion Vitamine kann man zum Beispiel etwas frisches Obst reinschneiden. Ein weiterer Tipp: Thunfisch – denn dieser ist aufgrund der gesunden Omega-3-Fettsäuren für Menschen mit MS besonders empfehlenswert und lässt sich in der Dose auch gut mit an den Arbeitsplatz nehmen. Er passt dann etwa gut in einen Salat. Auch Hülsenfrüchte gehören regelmäßig in einen gesunden Speiseplan. Dabei ist etwa Hummus eine gute Option für unterwegs: Er schmeckt zum Beispiel gut auf einem Vollkornbrot oder mit Gemüsesticks.

Zusätzlich empfehle ich: Achten Sie immer drauf, ein paar gesunde Snacks mit in der Tasche zu haben, wenn Sie in die Arbeit gehen oder länger unterwegs sind. So helfen zum Beispiel ein Apfel oder ein paar Nüsse gut über den kleinen Hunger zwischendurch.

Was kann man beim Einkaufen beachten?

Ich glaube, dass bewusste Ernährung prinzipiell schon beim Einkauf beginnt. Überlegen Sie sich am besten schon vorab: Was koche ich die nächste Woche? Denken Sie dabei daran, was zeitlich gut in den Wochenverlauf passt und suchen Sie sich schon zuvor Rezepte heraus. Dann können Sie schauen: Welche Lebensmittel sind noch vorhanden und welche muss ich einkaufen? Am besten schreiben Sie sich eine Einkaufsliste, um dann gezielt einkaufen zu gehen. Denn wenn man unvorbereitet ist, kauft man oft Dinge, die einem gerade ins Auge springen. Häufig wandern so auch mehr ungesunde Lebensmittel in den Einkaufskorb, wie Fertigprodukte oder Naschereien.

Kann eine gesunde Ernährung auch gelingen, wenn man wieder viel unterwegs ist?

Wenn man außerhalb isst und trotzdem auf eine gesunde Ernährung achten möchte, sollte man die Speisen bewusst auswählen. Auch hilft es zu wissen: Letztendlich geben alle Mahlzeiten des Tages die Gesamtsumme und falls eine Speise mal weniger gesund ausfällt, kann man versuchen, mit den anderen Mahlzeiten auszugleichen, auf die man selbst Einfluss nehmen kann. Weiß man etwa, dass man mittags in der Kantine isst, kann man sein Frühstück oder Abendessen zu Hause bewusst gesund gestalten.

Gesunder Frühstücks-Tipp: Haferflocken

Haferflocken lassen sich gut bereits am Vortag in Wasser oder Milch einweichen. In der Früh kann man dann, etwas Obst – zum Beispiel frische Beeren – und ein paar Nüsse reinschneiden und hat so ganz schnell ein gesundes und leckeres Frühstück. Noch schneller geht‘s, wenn man eine fertige Müslimischung möglichst ohne Zucker verwendet.

Die Corona-Zeit hat also für manche die Möglichkeit geboten, positive Schritte in Richtung gesunde Ernährung zu setzen. Wir hoffen, dass Ihnen Dr. Leitners Tipps helfen, daraus etwas in die aktuelle Zeit mitzunehmen. Die wichtigsten sind hier nochmal zusammengefasst:

5 Top-Tipps von Frau Dr. Leitner:

  1. Gehen Sie gezielt einkaufen – schreiben Sie eine Einkaufsliste.
  2. Kochen Sie vor, um Zeit zu sparen.
  3. Frieren Sie ein: Tiefkühlgemüse und -gerichte sind schnell bei der Hand.
  4. Versuchen Sie auszugleichen, falls die Speise-Wahl mal nicht so gesund ausfällt.
  5. Nehmen Sie sich gesunde Snacks mit in die Arbeit.

M-AT-00001403 | Titelbild: ©VAKSMANV/Adobe Stock

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