Ob Patient oder Angehöriger: Wer mit der Diagnose MS konfrontiert ist, hat viele Fragen. Die Fachärztin für Neurologie, Dr. Doris Hauer, die Leiterin der Selbsthilfegruppe Kunterbunt, Mag. Manuela Lanzinger, und die MS-Schwester, DGKS Silvia Katzmayr, beantworten drei Fragen im Video-Interview.

Welche Gefühle haben Patienten oftmals zu Beginn der Erkrankung?

Bei der Diagnosestellung machen sich Patienten oftmals selbst Vorwürfe, weiß Dr. Doris Hauer aus ihrer beruflichen Praxis: „Warum bekomme gerade ich diese Erkrankung? Hat irgendjemand in der Verwandtschaft mir die Krankheit vererbt oder war es diese eine Impfung? War es eine Epstein-Barr-Virus-Erkrankung oder die Reise nach Indien, bei der man sich vielleicht eine Durchfallerkrankung geholt hat?“

Die Betroffenen suchen nach Antworten. Hier muss man aufklären und ganz klar sagen: „Der Patient selber hat keine Schuld!”, betont Dr. Hauer. Auch wenn es in unseren Breiten ein gewisses Erkrankungsrisiko gibt, weiß man bis heute immer noch nicht genau, warum gerade der eine und nicht der andere diese Krankheit bekommt. 

„Ich glaube, das sollte man ansprechen. Vor allem dann, wenn man diesbezüglich irgendwie Bedenken oder auch eine Störung im Selbstwertgefühl hat und sich dadurch schlechter fühlt”, rät Dr. Hauer. „Hier kann man durch gezielte Information und Aufklärungsgespräche auch wirklich oft sehr viel Druck und Last von den Schultern der Patienten nehmen.”

Was kann Patienten und Angehörigen bei der Diagnosestellung helfen?

Im ersten Moment nach der Diagnose empfehle ich nicht zu panisch zu werden”, rät Mag. Manuela Lanzinger. Darüber hinaus ist es wichtig Personen des Vertrauens wie Angehörige und Freunde mit einzubeziehen, sich Unterstützung zu holen und mit ihnen darüber zu reden, wie es einem selber geht. 

Für Angehörige ist es sicher am Anfang auch ein Schock. Sie wissen nicht so genau, wie sie damit umgehen sollen”, weiß Mag. Lanzinger aus ihrer persönlichen Erfahrung. Das Einfachste ist einmal klar die Patientin oder den Patienten zu fragen was er oder sie braucht und sich im Notfall auch Informationen bei Ärzten und Ärztinnen zu holen oder auch Informationsveranstaltungen zur Multiplen Sklerose zu besuchen”, rät die Leiterin der Selbsthilfegruppe Kunterbunt Angehörigen und Freunden von MS-Patienten.

Wie kann man Patienten nach der Diagnosestellung unterstützen?

„Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Patienten, die man möglichst schnell in ein ambulantes Setting einbindet, dann einen Leitfaden haben,” berichtet DGKS Silvia Katzmayr aus ihrer Praxiserfahrung. Eine Art Orientierungshilfe, um dann bei Fragen zu wissen an wen man sich vertrauensvoll wenden kann.

Denn wenn es um MS geht, gibt es viel Unsicherheit und falsche Meinungen. „Viele Patienten sehen einfach gleich den Rollstuhl. Sie sehen das Leben dazwischen überhaupt nicht mehr”, betont die MS- Schwester. „Es ist ganz wichtig eine Adresse zu haben, bei der man sich gut aufgehoben fühlt.”

AT/NEUR/0719/0052

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