Physiotherapeutin Kathi PanPhysiotherapeutin Katharina Pan arbeitet seit vielen Jahren mit MS-PatientInnen. Aufgrund ihrer Spezialisierung und ihrer Erfahrung im Umgang mit Betroffenen weiß sie, worauf es ankommt, damit die Physiotherapie bestmöglich hilft. In unserem Interview macht Sie Mut und klärt häufige Fragen.

Die richtige Therapeutin oder den richtigen Therapeuten finden

Kathi rät, sich schon möglichst früh auf die Suche nach einem geeigneten Physiotherapeuten beziehungsweise einer Physiotherapeutin zu machen, dem/der man vertraut. Dann hat man im Falle eines Schubes schon jemanden an der Hand – also einen Anker, der einem durch diese Phase hilft – und muss sich dann nicht, in der ohnehin fordernden Situation, erst noch auf die Suche begeben.

Kathi empfiehlt außerdem, darauf zu schauen, dass der Therapeut beziehungsweise die Therapeutin Erfahrung mit MS hat und über neurologisches Fachwissen verfügt. So hat Kathi beispielsweise eine neurologische Zusatzausbildung. Andererseits ist es genauso wichtig, dass die Sympathie stimmt. „Im Idealfall begleitet man die PatientInnen wirklich lange Zeit, durch Höhen und durch Tiefen und da muss wirklich ein Vertrauensverhältnis da sein“, betont die Expertin. 

Wie eine Freundin

Kathi spricht oft wirklich lange mit ihren KlientInnen und steht ihnen fast wie eine Freundin zur Seite. Dabei geht es auch oft um ganz alltägliche Gesprächsthemen aus der Arbeit oder dem privaten Umfeld. Sie meint, man ist als PhysiotherapeutIn die starke Schulter für den ganzen Menschen und nicht nur für die Bewegung zuständig. Die einfühlsame Expertin weiß: „Der Schlüssel liegt im Zuhören und im Raum Geben für die Probleme der Betroffenen, sie ernst nehmen und Verständnis zeigen.“

Symptom-Management & Quality-Time

Wenn das Vertrauen wächst, dann sprechen die Betroffenen auch die verschiedenen unsichtbaren Symptome wie Blasenprobleme, Schmerzen und Fatigue leichter an, erzählt Kathi. Man versucht dann in der Physiotherapie gemeinsam Strategien zu finden, wie man mit diesen Beschwerden im Alltag gut umgehen kann. MS-erfahrene TherapeutInnen können hier individuelle Tipps und Tricks an die Hand geben, so Kathi. „Ich versuche meinen PatientInnen zu vermitteln, dass die Stunde bei mir eine Stunde Zeit nur für sie ist, ein geschützter Raum, um Dinge auszuprobieren, nicht perfekt zu sein und aus dem sie dann wieder gestärkt herausgehen können.“

Jeder in seinem Tempo

Für den Therapieerfolg ist es natürlich wichtig, sich regelmäßig zu bewegen und die Übungen nicht nur einmal wöchentlich bei der Physiotherapie, sondern auch Zuhause zu machen. „Man merkt da schon wie jeder tickt. Jeder ist anders, jeden kann man anders fordern, manchen gefällt es total, die wollen wirklich ein Programm, geben jeden Tag Vollgas daheim und manche überhaupt nicht. Dann sage ich, es ist auch gut so wie du es machst, aber fordere deinen Körper und wenn du nur einmal um den Häuserblock gehst – dann ist es schon ein Erfolg für die jeweilige Person“, schildert die Therapeutin.

Nicht für die PhysiotherapeutInnen, für Ihren eigenen Körper trainieren Sie!

Kathi ist es sehr wichtig, ihre PatientInnen nicht zu überfordern. „Ich schaue immer, was geht und möchte, dass die Leute selber merken, dass es ihnen besser geht und guttut, wenn sie ihre Übungen machen und sich bewegen. Denn Ihr macht es für euch selbst, für euren Körper und euer Wohlbefinden und nicht für uns Therapeutinnen.“

Wenn der innere Schweinehund mal stärker ist

Auch das darf sein, betont Kathi und nimmt Betroffenen so das schlechte Gewissen und den Druck. „Man darf auch faule Tage haben, darf auch einmal nicht an die Erkrankung denken und einfach auf der Couch liegen. Ich sage meinen Patienten immer, dass der Alltag eigentlich die beste Therapie ist. Also sollte man die Bewegung in den Alltag einbauen, so gut es geht – auch wenn es nur eine Runde um den Häuserblock ist. Wer dann zusätzlich noch ein-, zwei- oder dreimal wöchentlich die Übungen zu Hause macht, der tut schon viel für sein Wohlbefinden und seine Gesundheit. Je öfter, desto besser, denn Bewegung ist einfach das Allerbeste!“, so die Therapeutin. 

Wonach sich die Auswahl der Übungen richtet

Welche Übungen Therapeutin Kathi ihren Betroffenen empfiehlt, ist so individuell wie die Krankheit selbst. „Oft gibt es aktuelle, vordergründige Themen oder Wünsche, die von den Patienten kommen – je nach Können, je nach Level, je nach Wunsch und auch je nach Ziel muss man als TherapeutIn auf die vielen unterschiedlichen Symptome der Krankheit selbst entsprechend flexibel eingehen und das Trainingsprogramm laufend anpassen”, berichtet die Expertin aus ihrem Arbeitsalltag. 

Wie schnell die Therapie wirkt und wie lange man dranbleiben muss

Eine schwierige, aber auch wichtige Frage, so Kathi. Natürlich ist das sehr individuell und auch davon abhängig, wie intensiv und konsequent man trainiert. Geduld ist jedenfalls das A und O. Man muss dranbleiben und darf nicht lockerlassen. Manchmal verbessert sich der Zustand, aber in manchen Phasen ist es auch ein Erfolg, wenn der Zustand gleich bleibt, statt sich zu verschlechtern. „Als TherapeutIn ist es wichtig, dabei Verständnis zu zeigen und auch solche herausfordernden Phasen zu begleiten sowie die Betroffenen gerade dann zu ermutigen und zu motivieren dranzubleiben, denn es wird besser!“, verspricht die Physiotherapeutin aus Erfahrung.

Das gesamte Video-Gespräch von Physiotherapeutin Kathi mit der MS-Betroffenen Schirin finden Sie hier.

M-AT-00002268| Titelbild und Portrait: © Ulrike Peticzka

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