Wenn Kinder Erwachsene pflegen

von | 18. November 2019 | Partnerschaft & Familie

Eltern pflegen ist kein Kinderspiel, das weiß das Team von superhands nur zu gut. Sie beraten Kinder und Jugendliche, die ein krankes Familienmitglied pflegen müssen – und das kostenlos und anonym.

Ob die Pflege der Eltern, Geschwister oder Großeltern: Rund 43.000 Kinder und Jugendliche in Österreich pflegen ein krankes Familienmitglied. Die Hilfe reicht vom Einkaufen und Kochen über die Körperpflege bis hin zur medizinischen oder pflegerischen Versorgung. Außerdem kümmern sie sich häufig um ihre jüngeren Geschwister. 

„Ich habe einen Teil meiner Kindheit versäumt.“

Was die Pflege eines Angehörigen für einen Jugendlichen bedeutet, verrät Herr L. Er war 15 Jahre alt, als sein Vater an MS erkrankte. Anfangs half der Teenager im Haushalt und beim Kochen. Dann beim Duschen und Anziehen. Später auch beim Gang zur Toilette bzw. beim Setzen eines Katheters.

„Diese Jahre haben mich sehr stark geprägt. Diese Erfahrungen zählen zu den wichtigsten Dingen in meinem Leben“, berichtet Herr L. „Ich habe als Jugendlicher Dinge gemacht, die man eigentlich erst mit 40 oder 50 Jahren macht. Ich habe so gesehen einen Teil meiner Kindheit versäumt. Ich war an etwas gebunden, was ich nicht auslassen konnte.“

Kinder und Jugendliche werden kaum als Pflegende wahrgenommen 

Die betroffenen Kinder und Teenager wollen helfen. Dabei sehen sie sich selbst nicht als Pflegende. Auch ihr Umfeld nimmt sie oftmals nichts als Pflegende und die damit verbundenen Belastungen wahr. Mit alarmierenden Auswirkungen: von gesundheitlichen und psychischen Problemen über die soziale Isolation von Gleichaltrigen bis hin zur Unkonzentriertheit, Leistungsabfall und Mobbing in der Schule. 

Leider sprechen die wenigsten betroffenen Kinder und Jugendlichen mit Freunden, Lehrern oder nahestehenden Personen über ihre persönliche Situation. 

Doch es gibt Hilfe und Hilfe sollte man auch annehmen.

Hilfe und Rat beim Team von superhands

Das Ziel von superhands ist, pflegende Kinder und Teenager sowie Angehörige oder Menschen aus ihrem sozialen Umfeld zu beraten, zu unterstützen und zu entlasten,  damit die Kinder und Jugendlichen wieder eine Kindheit ohne Pflegeverantwortung leben können.

Und so funktioniert es:

  • superhands bietet kostenlose und anonyme Beratung. Diese kann per Mail oder in Form einer anonymen Anfrage über www.superhands.at erfolgen.
  • Weiters bietet die Website wertvolle Informationen über Krankheiten, Pflege und Erste Hilfe sowie Anlaufstellen mit Unterstützungsangeboten. 
  • Darüber hinaus ist das Team von superhands auch zweimal wöchentlich telefonisch erreichbar. Die Berater und Beraterinnen haben ein offenes Ohr für Sorgen und Ängste, helfen in pflegerischen Belangen und bei der Suche nach geeigneten Hilfsangeboten.

 

Kontakt
Superhands
Hotline 0800/88 87 87
Montag und Donnerstag 15 – 17 Uhr
www.superhands.at

Superhands wird durch Förderungen des Sozialministeriums sowie durch Spenden finanziert. Spendenkonto:  IBAN: AT60 20111 000049 40555, Kennwort: superhands

AT/NEUR/1019/0081 | Titelbild: © Johanniter/N.Studeny

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