Oft stehen Betroffene vor der Frage, ob es sich bei ihren aktuellen Symptomen um einen Schub handelt oder nicht. Worin unterscheidet sich ein Schub von gewöhnlichen MS-Beschwerden? Wann sollte man deshalb seinen Arzt aufsuchen? ExpertInnen haben mit uns darüber gesprochen und geben Tipps.

Schub oder nicht Schub… das ist hier die Frage!

Für Betroffene ist das meist schwierig zu sagen besonders zu Beginn der Beschwerden. Dennoch gibt es typische Anzeichen, die auf einen Schub hindeuten können. Eine häufig ganz am Anfang der MS auftretende Symptomatik eines Schubs ist die Sehnerventzündung: verschwommenes Sehen auf einem Auge, weniger intensive Wahrnehmung der Farbe Rot und meist auch Bewegungsschmerz am Auge beim Schauen sind Anzeichen dafür, so Dr. Doris Hauer, Fachärztin für Neurologie im Video-Interview. Zusätzlich kommt es zu Beginn der MS-Erkrankung häufig zu sensiblen Ausfällen – also Gefühlsstörungen an den Oberarmen oder Beinen, die meist auf einer Körperhälfte auftreten.

Im weiteren Verlauf der MS zeigt sich ein Schub entweder dadurch, dass ganz neue Symptome auftreten oder dass sich Symptome, die bereits vorher aufgetreten sind, deutlich verschlechtern. Bei einem kurzen Kribbeln hier und dort oder kurzzeitig auftretenden neuen Symptomen muss man sich jedoch noch nicht gleich Sorgen machen, dass es sich um einen Schub handelt, so Dr. Hauer. Wenn jedoch konstante Ausfallsymptome über mehrere Tage hinweg auftreten, empfiehlt die Expertin, Kontakt zum behandelnden Arzt aufzunehmen.

Das deutet auf einen Schub hin: 

  • Deutlich stärkere Beschwerden als gewöhnlich oder innerhalb von Stunden bis Tagen ganz neue neurologische Symptome
  • Konstante neurologische Symptome über mehr als 24 Stunden
  • Seit Beginn des letzten Schubes sind mehr als 30 Tage vergangen

Beim Vorliegen derartiger Beschwerden ist es in jedem Fall sinnvoll, den Arzt des Vertrauens zu Rate zu ziehen.

Unsicher? Ihr Arzt klärt auf

So meinte auch DGKS Silvia Katzmayr, MS-Schwester aus Linz, im Video-Interview: „Es ist wichtig, dass der Patient von der Definition her weiß, was ein Schub ist. Dass er weiß, wohin er sich wenden kann, wenn er den Verdacht auf einen Schub hat. Ich rate dazu, sich an den behandelnden Arzt oder an die Ambulanz zu wenden – je nachdem wo der Patient in Betreuung ist. Ich gebe den Patienten immer mit auf den Weg: Lieber einmal mehr anrufen als einmal zu wenig. Schübe kommen meist sehr überraschend und man sollte sich wirklich nicht scheuen, den Kontakt aufzunehmen.“ 

Selbst zu erkennen, ob es sich um einen Schub handelt, ist oft schwierig, daher ist Vertrauen zum Arzt wichtig. Um keine Verunsicherung aufkommen zu lassen, rät Selbsthilfegruppen-Leiterin Mag. Lanzinger im Video-Interview: „Lass dir auf keinen Fall von irgendwelchen unwissenden Leuten irgendetwas einreden, sondern hole dir wirklich die Expertise von deinem Arzt und deiner Ärztin.“

Wenn es sich tatsächlich um einen Schub handelt

Was man nicht vergessen darf: Ein Schub bringt nicht nur körperliche Beschwerden mit sich, sondern oftmals auch Verunsicherung, Unruhe und Angespanntheit. Das offene Gespräch mit dem Arzt und Information über grundsätzlich mögliche Behandlungsschritte schaffen die nötige Klarheit und geben Sicherheit. Je nachdem wie stark man betroffen ist, wird eine ambulante oder stationäre Therapie vorgenommen.

„Meistens kann man den Schub ambulant behandeln: mit Kortison in Form von einer Infusion, je nachdem über drei bis fünf Tage; begleitend durch eine Magenschutztherapie. Wenn es notwendig ist, wird dies noch einmal wiederholt beziehungsweise dann auch noch mit Tabletten ausgeschlichen“, informiert Dr. Hauer.

Sollte es zu einem sehr schweren Ereignis kommen, „dass der Patient plötzlich nicht mehr gehen oder schlucken kann, oder vielleicht sogar bedroht ist, sein Augenlicht zu verlieren, wird dies natürlich dann stationär im Krankenhaus behandelt“, betont die erfahrene Neurologin. „Hier kann, wenn es notwendig ist, sogar eine Blutwäsche (Plasmapherese) oder eine Immunadsorption vorgenommen werden, um die hohe Zahl der Antikörper aus dem Blut zu entfernen.“ Mehr über Kortison und Blutwäsche erfahren Sie hier.

Wichtig ist es auch, während des Schubes zur Ruhe zu kommen; dass der Patient sich auch wirklich Zeit nimmt, den Körper wieder heilen zu lassen“, stellt Frau Katzmayr klar. Aus ihrer Erfahrung sollte man etwa während einer Kortison-Therapie auch nicht daran denken zu arbeiten und sich stattdessen schonen.

Fazit
Nicht jedes auftretende Symptom ist gleich ein Schub, aber im Zweifel gilt, was MS-Patient Robert Arthofer auf den Punkt bringt: Lieber einmal mehr zum Arzt gehen als einmal nicht zum Arzt gegangen und es ist dann doch etwas.“

Quelle:

Österreichische Multiple Sklerose Bibliothek (ÖMSB)

M-AT-00001797 | Titelbild: © hanack/Adobe Stock

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