Wunschliste an Angehörige

von | 20. Dezember 2021 | Partnerschaft & Familie

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Was wäre das Leben ohne Freunde und Familie? Gerade jetzt in der Weihnachtszeit können wir uns wieder besonders auf schöne Stunden mit unseren Liebsten freuen. Lebt man mit einer chronischen Erkrankung wie der MS, ist ein unterstützendes Umfeld umso wichtiger. Doch was würden sich Personen mit MS von ihren Angehörigen im Umgang wünschen?

Wir haben mit Nina und Schirin darüber gesprochen. Die beiden jungen Frauen haben uns bereits in vorherigen Artikeln ihre ganz individuellen Geschichten mit der MS erzählt. Hier geben sie Angehörigen hilfreiche Tipps.

Zusammen sind wir stark

Der Umgang mit der MS ist nicht nur für Betroffene eine Herausforderung, sondern auch für Angehörige. Wie verhält man sich nun miteinander? Spricht man das Thema MS an, oder fühlt sich der andere dann angegriffen?

Doch auch wenn Außenstehende sich oft etwas hilflos fühlen, wenn eine geliebte Person an MS erkrankt, können sie oft mehr bewirken, als sie denken. Von der Zeit der Diagnose bis hin zur Bewältigung des Alltags können Angehörige eine große Stütze sein. Sie sind in der Lage zuzuhören, zu helfen, zu trösten oder einfach nur für ein Stück mehr Normalität zu sorgen. Damit können Angehörige einen großen Beitrag für ein positives Leben der Betroffenen mit der MS leisten, da auch die Psyche bei dem Verlauf der MS eine wichtige Rolle spielt. Doch wie kann das gelingen?

Lass uns reden

Nina und Schirin betonen: Offene Kommunikation ist der Schlüssel. Denn wenn man selbst gesund und der andere erkrankt ist, gibt es immer gewisse Dinge, die den anderen beeinträchtigen oder beschäftigen, die man selbst nicht so nachvollziehen kann, weil man sie nicht erlebt, meint Schirin.

Nina rät daher: „Egal ob es der Partner ist oder ob es Freunde oder Verwandte sind: Wenn Sie einen MS-Betroffenen oder eine MS-Betroffene in der Familie oder im Bekanntenkreis haben, sitzen Sie an der Quelle. Sie brauchen nicht googeln. Sie müssen nur fragen – da bekommen Sie die besten Informationen. Denn jeder erfährt die Symptome anders.“

Für Angehörige ist das nicht immer einfach – haben sie doch oft die Sorge, mit den Fragen eventuell Grenzen zu überschreiten. Natürlich muss man hier auch Feingefühl zeigen und es akzeptieren, falls Betroffene mal nicht über die MS sprechen möchten – besonders in der Zeit kurz nach der Diagnose ist das oft der Fall. Das Wichtigste ist aber auch in diesen Situationen, der Person mit MS immer das Gefühl zu geben, dass man für sie da ist, falls sie Unterstützung braucht, meint Nina.

Keine falsche Scheu

Solange der andere nicht zeigt, dass er über das Thema nicht sprechen möchte, braucht man sich nicht scheuen, Fragen zu der MS zu stellen, meint Nina. „Die meisten fragen, wenn überhaupt, total wenig. Es ist schon eine Hürde und die Hemmschwelle ist hoch, sich überhaupt zu trauen, etwas zu fragen. Aber solange man nicht unerwünschte Tipps gibt, glaub ich, dass man mit Fragen bei den meisten nicht wirklich viel falsch machen kann“, meint sie.

Wer nichts weiß, muss alles glauben

Ein wichtiger Rat der Betroffenen an Angehörige ist generell: Informieren Sie sich über die MS-Erkrankung. So verstehen Sie eher, was in der Person gerade vorgeht, können besser auf sie eingehen und der Umgang miteinander fällt leichter. Viele, die sich zu wenig mit der MS auseinandersetzen, spielen die Erkrankung herunter oder verleugnen sie sogar. Der richtige Weg führt aber nur über beidseitiges Verständnis.

Ich bin immer noch ich

Ganz wichtig ist auch, dass man sein Gegenüber nicht ausschließlich über die Erkrankung definiert. „Ich habe die Erkrankung, aber ich bin nicht die Erkrankung“, bringt Schirin es auf den Punkt. Zwar muss man auf die MS Rücksicht nehmen, aber die Person macht noch so viel mehr aus als nur die Erkrankung und es muss auch mal Zeiten geben, wo sich nicht alles nur um die MS dreht.

Außerdem sollte man die Grenzen des anderen akzeptieren. Gerade wenn man sich um die Gesundheit eines geliebten Menschen sorgt, versucht man schnell, zu stark Einfluss auf ihn zu nehmen. Man sollte die Person jedoch nicht bevormunden – schließlich kann sie auch mit MS ihre eigenen Entscheidungen treffen.

Wir verstehen uns

„Beidseitiges Verständnis ist wirklich auch sehr wichtig“, meint Schirin. So ist es beiden Betroffenen ein großes Anliegen, dass man als Angehörige/r weiß: „Es kann schon hin und wieder vorkommen, dass man mal, wegen einem Schub oder weil gerade gar nichts funktioniert, was absagen oder verschieben muss“, so Nina. Eventuell sind auch manche Aktivitäten, die man vorher zusammen gemacht hat, nun mit der MS nicht mehr möglich. Hier sollte man den Betroffenen auf keinen Fall ein schlechtes Gewissen machen, da diese sich ohnehin meist selbst darüber ärgern, dass sie aufgrund der Beschwerden nichts unternehmen können.

Achten Sie auch auf sich selbst

Bei all der Unterstützung, die Sie als Angehörige/r für Ihre Liebsten leisten, ist es aber ganz wichtig, dass Sie sich dabei nicht selbst aufgeben, meint Schirin. Also schauen Sie dennoch auch gut auf sich selbst und nehmen Sie sich weiterhin eigene Freiräume.

Welche Tipps Nina und Schirin Angehörigen für den Umgang mit Betroffenen direkt nach der Diagnose geben, erfahren Sie demnächst – also bleiben Sie dran!

Die 7 wichtigsten Tipps für Angehörige:

  1. Zeigen Sie, dass Sie für den anderen da sind.
  2. Informieren Sie sich über die MS-Erkrankung.
  3. Reden Sie möglichst offen miteinander. 
  4. Definieren Sie den anderen nicht nur über die MS-Erkrankung.
  5. Akzeptieren Sie Grenzen.
  6. Zeigen Sie Verständnis, falls wegen der MS etwas nicht wie geplant läuft.
  7. Vergessen Sie nicht, sich auch gut um sich selbst zu kümmern.

 

M-AT-00001759 | Titelbild: © DisobeyArt/Adobe Stock

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